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Oskar Ernst Bernhardt

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de:vortrage:veroffentlichte:1931-1934:grubler

Grübler.

Der Mensch, der seine Erdentage mit Grübeln über sich verbringt, kann niemals aufwärts steigen, sondern bleibt gehemmt.

So viele Menschen aber leben in der Meinung, dass gerade die­ses Grübeln und sich selbst beobachten etwas besonders Grosses ist, womit sie aufwärts kommen. Sie haben viele Worte dafür, die den eigentlichen Kern verhüllen. Der Eine grübelt in der Reue, der andere in Demut. Dann sind solche, die in starkem Grübeln ihre Fehler zu entdecken suchen und den Weg, sie zu vermeiden, und so fort. Es bleibt ein dauernd Grübeln, das sie selten oder nie zu wahrer Freude kommen lässt.

So ist es nicht gewollt. Der Weg ist falsch, er führt niemals empor zu lichten, freien Reichen. Denn in dem Grübeln bindet sich der Mensch! Er hält ja seinen Blick zwangsweise nur auf sich gerichtet, statt auf ein hohes, reines, lichtes Ziel!

Ein freudig, herzlich Lachen ist der stärkste Feind des Dunkels. Nur darf es nicht das Lachen einer Schadenfreude sein!

Grübeln drückt dagegen nieder. Darin allein schon liegt eine Er­klärung, dass es unten hält und auch nach unten zieht. - -

Der wahre Kern des andauernden Grübelns ist auch nicht ein gutes Wollen, sondern nur die Eitelkeit, Ehrgeiz und Dünkel! Es ist nicht reine Sehnsucht nach dem Licht, sondern eigene Überhebungssucht, die die Veranlassung zum Grübeln gibt, es immer neu entfacht und fortwährend ernährt!

Mit Selbstzerquälung denkt ein solcher Mensch immer und immer wieder über sich, beobachtet mit Eifer auch das abwechselnde Für und Wider in dem Vorgang seiner Seele, ärgert, tröstet sich, um endlich mit dem tiefen Atemzuge ausruhender Selbstbefriedigung selbst festzustellen, dass er wieder etwas „überwunden“ hat, und einen Schritt vorwärts gekommen ist. Ich sage dabei absichtlich „selbst festzustellen“; denn er stellt wirklich ganz allein das Meiste fest, und diese eigenen Feststellungen sind immer nur Selbsttäuschungen. In Wirklichkeit ist er nicht einen Schritt vorangekommen, sondern er begeht dieselben Fehler immer wieder neu, trotzdem er meint, es seien nicht dieselben mehr. Aber sie sind es, stets die alten, nur die Form verändert sich.

So kommt ein derartiger Mensch nie vorwärts. Doch in eigener Beobachtung wähnt er den einen Fehler nach dem anderen zu überwinden. Dabei dreht er sich immer in dem Kreise um sich selbst, während das in ihm steckende Grundübel andauernd nur neue Formen schafft.

Ein immer sich beobachtender und über sich grübelnder Mensch ist die Verkörperung des Kämpfers mit der neunköpfigen Schlange, der jeder Kopf nachwächst, sobald er abgeschlagen wird, wodurch der Kampf kein Ende nimmt und auch kein Fortschritt auf des Kämpfers Seite zu verzeichnen ist.

So ist tatsächlich auch der feinstoffliche Vorgang bei dem Tun des Grüblers, was Menschen in dem letzten Altertume noch erschauen konnten, als sie damals alles Nichtgrobstoffliche für Götter, Halbgötter oder sonstige Wesensarten hielten. -

Nur wer in frohem Wollen frei ein hohes Ziel ins Auge fasst, also die Augen nach dem Ziele richtet, nicht aber immer auf sich selbst gesenkt behält, der kommt voran und aufwärts nach den lichten Höhen. Kein Kind lernt laufen, ohne viel zu stürzen, aber es steht fast immer lächelnd wieder auf, bis es die Sicherheit im Schritt erlangt. So muss der Mensch sein auf dem Wege durch die Welt. Nur nicht verzagen oder jammernd klagen, wenn er einmal fällt. Frisch wieder auf und neu versucht! Dabei die Lehre aus dem Sturze sich zu eigen machen, in der Empfindung aber, nicht mit dem beobachtenden Denken. Dann kommt einmal ganz plötzlich auch der Augenblick, wo für ihn gar kein Sturz mehr zu befürchten ist, weil er alles dabei Gelernte in sich aufgenommen hat.

Aufnehmen kann er aber nur in dem Erleben selbst. Nicht im Beobachten. Ein Grübler kommt niemals zu dem Erleben; denn er stellt sich durch Beobachtung stets ausserhalb jedes Erlebens, und sieht zergliedernd und zersetzend auf sich wie auf einen Fremden, anstatt für sich voll zu empfinden. Wenn er aber auf sich sieht, muss er neben dem Empfinden stehen, das liegt schon in dem Worte: auf sich sehen, sich beobachten!

Damit ist auch erklärt, dass er nur dem Verstande dient, der jedes wirkliche Erleben in Empfindung nicht nur hemmt, sondern vollkommen ausschaltet. Er lässt die Wirkung jedes äusseren Geschehens aus der Stofflichkeit nicht weiter gehen als zum vorderen Gehirn, das es zuerst empfängt. Dort wird es festgehalten, dünkelhaft zergliedert und zerlegt, sodass es nicht nach dem Empfindungshirn gelangt, durch welches es der Geist als zum Erleben erst aufnehmen könnte.

Denn achtet meiner Worte: So wie der Menschengeist seine Betätigung von innen heraus folgerichtig über das Empfindungsgehirn leiten muss zu dem Verstandeshirn, so können äussere Ge­schehen nur den gleichen Weg zurückwirken, wenn sie vom Menschen­geiste als Erleben aufgenommen werden sollen. Der Eindruck äußeren Geschehens aus der Stofflichkeit muss also stets von aussen kommend durch das vordere Verstandeshirn über das hinte­re Empfindungshirn zum Geist. Nicht anders. Während die Betäti­gung des Geistes den genauen Weg in umgekehrter Richtung gehen muss, nach aussen hin, weil das Empfindungshirn allein zur Aufnahme geistiger Eindrücke die Fähigkeit besitzt. Der Grübler aber hält den Eindruck äusseren Geschehens krampfhaft in dem vorde­ren Verstandesgehirn fest, zergliedert und zersetzt es dort und gibt es nicht in vollem Wert auf das Empfindungsgehirn weiter, sondern nur teilweise, und diese Teilstücke durch die gewaltsame Denktätigkeit nur noch entstellt, also nicht mehr so wirklich, wie es war.

Deshalb kann auch kein Fortschritt für ihn kommen, keine Geistesreife, welche nur das wirkliche Erleben äusseren Geschehens mit sich bringt.

Seid darin wie die Kinder! Nehmt voll auf und lebt es augenblicklich in Euch durch. Dann strömt es wiederum zurück durch das Empfindungshirn zu dem Verstandeshirn, und kann von dort entweder zu einer erfolgreichen, starken Abwehr verarbeitet hinausgehen, oder zu erweiterter Aufnahmefähigkeit wirken, je nach der Art der äusseren Geschehen, deren Strahlungen man Einflüsse oder Beeindruckungen von aussen her nennt.

Zur Schulung darin wird auch hierbei nun das tausendjährige Reich dienen, das das Reich des Friedens und der Freude werden soll, das Gottesreich auf Erden. Darunter verstehen die Menschen in ihren fordernden Wünschen wiederum etwas Falsches, weil sich aus ihrem Dünkel heraus nichts mehr richtig und ge­sund zu formen vermag. Bei dem Ausdruck Gottesreich auf Erden geht ein freudiges Erschauern durch die Reihen aller darauf Hoffenden. Sie denken sich tatsächlich dabei ein Geschenk von Freude und von Glück, das ihrer Sehnsucht auf ein ruhiges Ge­niessenwollen voll entspricht. Es wird aber die Zeit unbeding­ten Gehorsams werden für die ganze Menschheit!

Niemand will heute annehmen, dass eine Forderung darin besteht! Der Ausdruck „Gottesreich auf Erden“ ist jedoch nicht anders zu verstehen, als dass darin nur Gottes Wille herrscht, ganz unbedingt und unverrückbar! Dass der Menschen Wollen und

ihr Wünschen sich endlich ganz nach dem Willen Gottes richten muss!

Und Friede, Freude wird erstehen, weil alles Störende gewaltsam von der Erde weggenommen und in Zukunft ferngehalten wird. Dazu gehört in erster Linie zur Zeit der Mensch. Denn er allein brachte die Störung in die Schöpfung und auf Erden. Aber von be­stimmter Stunde an vermag ein Störender nicht mehr auf dieser Erde weiterhin zu leben.

Das wird vollbracht durch die Veränderung der Strahlungen, die durch den Menschensohn und seinen Stern zur Auswirkung gelangt. Der Friede wird erzwungen, nicht geschenkt, und Friedenhal­ten dann gefordert, hart und unerbittlich!

So sieht das Reich des Friedens und der Freude aus, das Gottesreich auf Erden, in dem der Mensch entrechtet werden muss des Herrschens seines Wollens, welches ihm bisher belassen war, da er als geistig seiend unter den Entwickelten auf dieser Erde als die höchste Kreatur auch herrschen muss, den Schöpfungsurgesetzen unbedingt entsprechend. Mit Eintreten des Gotteswillens in die Nachschöpfung aber wird selbsttätig die Oberhand des Menschenwollens ausgeschaltet.

Nur der Mensch kann in Zukunft noch bestehen, und alle Kreatur, die sich freiwillig einstellt in den Gotteswillen! Also nach ihm lebt und denkt und wirkt! Das ganz allein bietet die Lebensfähigkeit in dem kommenden Reich der tausend Jahre!

Prägt es Euch nochmals ein, so klar Ihr könnt. Es ist die Grundlage für alles, ja, für Euer ganzes Sein! Damit Ihr kleine Schar von Anfang an in Euch schon fest auf diesem neuen Boden steht!

de/vortrage/veroffentlichte/1931-1934/grubler.txt · Zuletzt geändert: 2020/10/16 23:21 von Marek Ištvánek