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Oskar Ernst Bernhardt

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de:vortrage:veroffentlichte:1931-1934:auferstehungsmorgen

Auferstehungsmorgen!

Auferstehungsmorgen! Von diesem Worte geht ein Zauber aus, der alle Seelen sonderbar berührt. Der Geist empfindet dabei Son­ne über blumenreicher Flur, rieselnde Bäche, fernes Glockenläuten, Frieden überall! Ein frohes freies Aufatmen in der Natur! - -

Und Auferstehungsmorgen soll es werden für die Menschenseelen, welche nun würdig befunden sind, das Reich Gottes hier auf Er­den zu erleben. Die anderen bleiben zurück im Dunkel, das die Erde heute noch umgibt, und werden mit dem Dunkel fortgeschleudert in die Bahn, die zu der unentrinnbaren Zersetzung führt, zu dem geistigen Tod!

Schon glüht das Morgenrot am feinstofflichen Himmel auf als Zeichen, dass der Tag nun naht!

Erwachet, Seelen, die Ihr wartet auf Erlösung, wartet in der rechten Art! Es ist nur kurze Zeit bis zu der Stunde, die Euch nun gerüstet finden muss. Lasst Euch nicht noch im letzten Augen­blick schlafend finden!

Entsetzlich ist das Dunkel, das die Erde feinstofflich umschliesst. Es würde keiner Menschenseele möglich sein, es jetzt noch zu durchbrechen. - - -

Wenn nicht vom Aufgang bis zum Niedergang im Weltenall ein greller Blitz göttlicher Wahrheit mit Gewalt die schwüle Nacht des Geistigen durchschlägt, so ist der einschlafende Menschengeist in dieser Nachschöpfung verloren.

Denn alle Weisheit, von Berufenen gebracht, dazu bestimmt, für Erdenmenschen Aufstiegsmöglichkeit des Geistes nach den lichten Höhen anzubahnen, wurde von Anhängern dieser Berufenen vorwiegend stets zu Erdenzwecken ausgenützt! Sie blieb nicht, wie sie war, frei und natürlich, nützensollend allen Menschen, sondern es wurde an ihr mit geschulter Menschenklugheit hin und her gefeilt, bis von der eigentlichen Form in ihrer Einfachheit nichts mehr vorhanden war.

Die selbstgefälligen Verbesserer hatten damit ein eitles Unheilswerk vollbracht, an dem Millionen Menschenseelen sich verstrickten.

Es wurde alles zum Geschäft, aus dem die Sucht zur Macht sich langsam hob. Unter Verstandesleitung, die als Frucht Luzifers trefflich sich bewährte, erstanden nur noch Zerrbilder von dem, was wahre Weisheit auferstehen lassen sollte. Klug nützte dann das Dunkel dieses aus, damit die ahnungslosen Opfer blind in seine Arme fallen mussten, im geistesträgen Wahn, dem Lichte zuzustreben.

Nicht anders war es dann auch mit der lichten Wahrheit, die der Gottessohn zur Erde brachte, um den Menschen damit endlich den Weg freizubahnen für den notwendigen Aufstieg zu dem Gottesreich, um sie aus den Umstrickungen des Dunkels endgiltig zu lösen, die aus Entstellungen der bisherigen Weisheiten erstanden waren.

Christus verlangte Regsamkeit des Geistes eines jeden Einzelnen im Wissen, das er ihnen gab, und damit Anbetung des Aller­höchsten durch die Tat!

Alles sollte der Mensch wissen, was die Schöpfung birgt, um die in ihr wirkenden Grundgesetze zu erkennen, die den Willen Gottes tragen; denn nur durch dieses Wissen kann der Mensch sich so einfügen, wie es Gott verlangt. Dann kann er darnach lebend alles um sich her erfreuend fördern, was ihm selbst auch wechselwirkend Aufstieg und die Reife bringt, die er als Mensch nach Gottes Willen finden kann und soll, wenn er „bestehen“ will. Vor Gott „Bestehen“ aber heisst, nicht in Zersetzung stürzen müssen.

Alle Gottgesetze sind nur darauf eingestellt, Aufbau und Förderung zu bringen! Durch Christus war der ganzen Menschheit die Möglichkeit gebracht, im Geiste endlich frei zu werden. - -

Aber es erstanden Kirchen, und diese mühten sich, das Wort des Herrn hinter den Klostermauern zu zerlegen, zum Teil auch zu ver­bergen, davon nur das herauszugeben, was sie nach ihren eigenen Erklärungen gedeutet hatten, derart, wie es zu ihren Zwecken und nach ihrem Sinnen passend war.

Damit wurde dem Einzelmenschen wieder das für ihn von Gott gesandte Gut zum grössten Teile vorenthalten und erreicht, dass diese Menschen nicht zu rege wurden in dem Geiste, nicht zu frei, Das Gegenteil also von dem, was Christus wollte!

Die Kirchen suchten Anhänger, Reichtum und Macht. Zu diesem Zwecke durfte kein Mensch wissen, dass er ganz allein in das Reich seines Gottes finden konnte, ohne Mithilfe der Kirche! Er durfte nicht auf den Gedanken kommen, dass Gott nicht eine Kirche nötig hat zwischen sich und seiner Kreatur, die er auch ohne Kirche schuf.

Und es gelang. Langsam, doch sicher schob sich nun die Kirche mit ihren Wünschen trennend zwischen Lichtsehnsucht der Menschen und deren Gott! Um ihre Anhänger an Zahl zu steigern, bot sie als Lockmittel dem trägen Menschengeiste die Bequemlichkeit! Es ging sogar so weit, dass man für Geld Gebete in den Kirchen halten lassen konnte zu diesem oder jenem Zweck. Bei Zahlung nahm die Kirche solche Mühen ab, entwertete damit auch das Gebet, das einzi­ge, womit der Menschengeist sich seinem Gotte nahen soll. Aber das Sinnlose und das Erniedrigende solcherart Unmöglichkeiten fiel keinem Menschen auf. Es war bequem, die Zahl der „Gläubigen“ ver­mehrte sich dabei.

Mit der Vergrösserung wurde die Kirche rücksichtsloser, und liess zuletzt sogar zum Teil die Maske fallen. Gegen alle Gottgesetze handelnd, untergrub sie alles, was nicht für sie sich erklä­ren wollte, hetzte und verleumdete, ja mordete, wo es nicht anders ging. Erst heimlich, mit Ansteigen ihrer Erdenmacht aber auch öffentlich. Sie scheute nicht davor zurück, den Namen Gott dabei als Schild vor sich zu halten.

Hier kann kein Mensch von einem Irrtum reden, ein solches Tun trägt allzudeutlich Stempel des niedrigsten Dunkels! Es steht im schärfsten Gegensatz zu dem, was Christus Jesus lehrte! Es sind feindliche Schläge, die man damit jedem Worte gab, das er gesprochen hat. Nichts gibt es auf der ganzen Erde, was sich mehr gegen Christus und sein Wort zu stellen wagte, als das Kirchenwesen schon von Anfang an!

Nichts anderes aber konnte auch so gefährlich sein! Gerade durch den Schein des Gottesdienenwollens war die Wirkung furcht­bar für die Menschheit! Luzifer konnte keine besseren Mithelfer haben für sein gottfeindliches Werk. Hier hatte sein geschickter Hinweis auf den Erdverstand den grössten Sieg errungen! Hatte eine täuschende Verfälschung alles dessen hergestellt, was eigent­lich von Gott gewollt erstehen sollte! Die Vortäuschung der Echt­heit war gelungen. Das Wertvollste, das zu Gott führen sollte, liess er durch die, die sich als Gottesdiener gaben und auch selbst wohl sehr oft dafür hielten, abbiegen in das Gegenteil, liess es zum Hemmnis werden für die Menschen, das sie hindern musste, freu­dig dem ersehnten Lichte zuzuschreiten! Ein kühner Schachzug sondergleichen. -

Und so legte sich das Dunkel um die Erde, wurde, zu der tiefsten Seelennacht! - -

Jetzt aber ist dem Übel Halt geboten! Jäh werden alle Menschen aus dem Irrwahne geweckt! Wenige zur Erlösung, viele zur Vernichtung! Die Abrechnung für Golgatha ist da! In einem an­dern Sinn jedoch, als es die Menschen bisher dachten! -

Wie in der schwülen Sommernacht die Pilze aus der Erde streben, so werden nun falsche Propheten aus den Mengen auferstehen, wie es verheissen ward, damit sie durch sich selbst das Wort er­füllen und gerichtet werden können; denn es soll die Welt davon gesäubert sein! -

Doch lasst es tosen, lasst es brausen, kleine Schar! Vor einem Frühlingsmorgen müssen starke Stürme wehn! Lasst Millionen Menschen weggerissen werden, es ist gut und nach des Höchsten unbeugsamen Willen! Jedem wird, was er verdient! Die Heuchelei, der Menschenwissenswahn, und die Verführung muss ein Ende haben.

Bald wird das inhaltsschwere Wort: „Es ist vollbracht“! sich wiederholend laut und jubelnd durch die Welten schwingen!

Dann bricht der Auferstehungsmorgen an, und strahlend bringt die Sonne für Euch einen neuen Tag! Der Herr und Gott schenkt seinen Kreaturen, die sich seinem Willen beugen, eine neue Zeit!

Dann wird das grosse, freie Aufatmen durch jede Seele ziehen, das wie ein Dank, wie ein Gebet zum Thron des Höchsten steigt, wie ein Gelöbnis, ihm zu dienen so, wie ER es will! Das walte Gott!

de/vortrage/veroffentlichte/1931-1934/auferstehungsmorgen.txt · Zuletzt geändert: 2020/10/16 23:20 von Marek Ištvánek