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Oskar Ernst Bernhardt

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de:vortrage:veroffentlichte:1931-1934:allgegenwart

Allgegenwart!

Gott ist allgegenwärtig! Das wird den Kindern in den Schu­len schon gelehrt! Es ist den Menschen, welche überhaupt noch an Gott glauben, so geläufig, und so selbstverständlich, dass sie es nicht für nötig halten, einmal recht darüber nachzudenken, ob sie auch wirklich wissen, was sie damit sagen.

Fordert man aber einmal eine Erklärung, wie sie sich das denken, so hört die Weisheit sofort auf und sie erkennen selbst, dass in dem Wort „allgegenwärtig“ doch noch nicht das Wissen der Bedeutung liegt.

Die Menschen haben wohl das Wort, doch das Begreifen nicht. Und das ist schliesslich ja die Hauptsache in allen Dingen. Und auch das Wissen nützet nichts, wo das Begreifen fehlt! Die Bedeutung der Bezeichnung „allgegenwärtig“ kennt der Mensch. Doch die Bedeutung kennen ist noch nicht begreifen, nicht den Sinn erfassen.

So weise ich auf meinen Vortrag hin: „Das Leben“. Gott ist das Leben! Er allein! Alles andere ist nur Bewegungsfolge, wel­che durch den Druck der Ausstrahlung des Lebens erst entsteht.

Der Mensch, welcher in innigstem Gebete etwas zu erflehen sucht, bekommt durch seine Einstellung Verbindung mit der Stelle, wo ihm Hilfe werden kann. Das sagte ich schon einmal bei meinen Erklärungen über die Wirkung des Gebetes. Unter Gebet soll man nun aber nicht das Bitten denken, sondern Anbetung, Anbetung und Verehrung! Jede Vertiefung dieser Art des Menschengeistes ist aber nichts anderes als ein Verbindungsuchen! Verbindung suchen mit dem Licht, der Reinheit und dem Leben! Des Menschengeistes Wünschen, Sehnen dehnt sich dabei aus. Er tastet geistig suchend nach den lichten Höhen! Und wenn er dabei richtig ernsthaft sucht, so findet er, wie es von Christus schon verheissen ward. Er findet die Verbindung mit dem Leben! Doch nur Verbindung, nicht das Leben selbst!

So ist nun auch der Vorgang, wenn die Menschen nach dem Menschensohne rufen werden. In starker, reiner Sehnsucht finden sie geistig den Weg zu ihm. So wie sie aber auf dem rechten Wege stehen, dann empfinden sie ihn auch, die geistig schauen dürfen, sehen ihn sogar vor sich, lebendig, ja oft sprechend und auf da

seingehend, was sie sehr bedrückt.

Die Bittenden finden in ihrem reinen Sehnen also den Verbindungsweg zu ihm. Das prägt Euch ein! Er gehet nicht zu ihnen! Und so geschieht es, dass zu gleicher Zeit Tausende in dem Weltall mit ihm sprechen, ihn auch vor sich sehen, handelnd nach der Art und dem Gesetz des Lichtes, strafend oder helfend, und er selbst … empfindet nichts davon, trotzdem es tatsächlich geschieht, was diese Menschen geistig sehen oder hören! Er wird nicht davon belastet. Wenn alle Kreaturen in der ganzen Schöp­fung gleichzeitig Verbindung zu ihm suchen würden nach der rechten Art, sie werden alle ihn empfinden, werden auch empfangen, was sie zu erbitten streben, je nach der Art des Ernstes und der Reinheit ihrer Bitten, werden ihn zum Teil erschauen, nicht nur in allen Erdenorten, sondern in den Weltenteilen, gleichzeitig, und doch kann er davon nicht ermüden, wird nie davon geschwächt … weil der Gottfunke in ihm Leben ist, das nicht vergeht, sondern sich selbst erneuernd ewig bleibt, mit einem Wort: weil „Er ist!“

Um ihn kreisen die Menschengeister in ihrem Werden, ihrem Reifen, oder im Zergehen. Ein jeder Einzelne davon kann die Verbindung mit ihm finden, jederzeit, wenn er nur ehrlich suchend will.

In dem Gerichte aber wird diese Verbindung jedem aufgezwungen durch sein Erdenmenschensein! Mit diesem Erdenmensch­werden trat er und steht gleichzeitig in allen Schöpfungsarten selbst. Und dadurch kommen alle Dinge dieser Schöpfung mit ihm unmittelbar in nähere Beziehung. Es konnte keine Lücke für den Durchstoss seiner Strahlungen verbleiben. Er hat sie damit auch in die feinstofflichen und die grobstofflichen Ebenen getragen! Auf dass sich alles daran richte!

Ihr findet also im Gebet oder dem ernsten Suchen nur einen Verbindungsweg zu Gott, und das lässt ihn Euch so allgegenwärtig scheinen, wie Ihr es bisher dachtet. Auch ein Gottesfrevler findet die Verbindungswege schnell; denn sein Empfinden ist ja da­bei auf Gott eingestellt, wenn auch im üblen Sinne. Deshalb sind viele Beispiele, dass solcher Mensch sehr oft im Augenblick des Frevelns schon zerschmettert wird, oder doch bald nachher. Er fand einen Verbindungsweg, und die lebende Kraft wirkte dadurch schnell auf ihn. Dass sie vernichtend sich bei ihm auslösen musste, ist wohl jedem Menschen selbstverständlich. Aus diesem Grunde kommen solche Wunder vor, in denen unkundige Fanatiker strafende Willkürsakte Gottes sehen mögen, während es in Wirklichkeit die Auswirkung feststehender Gesetze ist und bleibt!

So ist auch die Allgegenwart nur falsch verstanden worden. Allgegenwart ist vielleicht besser noch bezeichnet mit dem Wor­te: immer gegenwärtig! Also alle Zeit zu finden, wenn man sucht.

Die äussere Wirkungs-Erscheinung des Geschehens hat die Menschen nur getäuscht. Sie gingen dabei von dem falschen Grundsatz ihres Denkens aus, dass Gott sich ganz persönlich um sie kümmert und um sie wirbt, sie schützend auch umgibt, und dach­ten nicht daran, dass sie selbst alles tun müssen, um die notwen­dige Verbindung anzustreben, was sie ganz unbewusst schöpfungsgesetzmässig schon immer im wahren Gebet erfüllten! Sie woll­ten nicht gern glauben, dass nur die Gesetze Gottes in der Schöp­fung ruhend sie umgeben, welche selbsttätig wirkend jeden Lohn und jede Strafe auslösen.

Allgegenwärtig sein heisst eigentlich nichts anderes, als von jeder Stelle der Schöpfung aus erreicht werden zu können.

Aber auch das wieder ist nur mit Einschränkung anzunehmen; denn es ist buchstäblich richtig, wenn es heisst: „Vor Gott zer­gehet alles!“ Es ist da eine riesenhafte Kluft! Nicht ein ein­ziges Wesen vermag direkt vor Gott zu treten, ihn also zu errei­chen, es sei denn, er stamme selbst unmittelbar aus Gott! Dies ist nur zweien möglich, dem Gottessohne und dem Menschensohne. Alles andere würde und muss unmittelbar vor ihm zergehen. Könnte also niemals mit Bewusstsein vor ihm stehen.

Es ist ja auch dem Menschengeiste nur das Finden des Verbindungsweges zu Gott möglich. Und dieser Verbindungsweg ist nun nach der Erfüllung und Verkündung für alle Ewigkeit der Menschensohn, wie er verheissen ist als der ewige Mittler. Des­halb trifft auch der Menschengeist immer auf ihn in jedem Falle ernsten Suchens! Und durch ihn wird ihm die Hilfe in der Rück­wirkung, auf die der Suchende sich wahrhaft einstellte! So er­scheint den Menschen auch der Menschensohn allgegenwärtig, das heisst, er, der Mensch, trifft auf ihn bei rechtem Bitten, er findet ihn! Das ist genau so in der Auswirkung, als ob der Menschen­sohn dann bei ihm wäre; denn er ist in solchen Augenblicken ja mit ihm verbunden durch einen Strahlungsweg, der auch das Bild des Menschensohnes wieder spiegelt!

Auf Euer Wirken führet deshalb nun alles zurück, was Euch geschieht; denn nur in Euch allein ist der geheimnisvolle Hebel fest verankert, welcher Euer Schicksal, jedes einzelne Erleben bringt. Wie Ihr die Weichen stellt, dorthin wird Euch der Lebenswagen führen! Vergesst das nie; denn das Erleben jeden Augen­blickes ist sehr eng damit verknüpft!

Der Menschensohn aber ist! Er wurde in die Schöpfung eingesetzt durch Gott als Kraft von seiner Kraft! Ihr kreist um ihn, und alles, was Euch von ihm trifft, ob Liebe oder Abweisung, schafft Ihr Euch selbst durch Eure Einstellung! Er stehet vor Euch jederzeit, wenn Ihr ihn ernsthaft sucht, in reinem Bit­ten ruft; denn damit tretet Ihr mit Eurem Geist auf den Verbin­dungsweg zu ihm, und sehet ihn, oder empfindet ihn. In diesem lebenden Gesetz liegt die Bedeutung der Allgegenwart!

de/vortrage/veroffentlichte/1931-1934/allgegenwart.txt · Zuletzt geändert: 2020/10/16 23:21 von Marek Ištvánek