Abd-ru-shin

Oskar Ernst Bernhardt

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de:stimme:heft_9:keuschheit

Keuschheit.

von Abd-ru-shin

Keuschheit ist ein Begriff, der von den Erdenmenschen so unglaublich eingeengt worden ist, daß von der tatsächlichen Bedeutung gar nichts übrig blieb, er wurde sogar auf eine falsche Bahn gezerrt, was zur natürlichen Folge haben mußte, daß dieses Verbiegen über viele Menschen eine nutzlose Bedrückung brachte und sogar sehr oft auch unsagbares Leid.

Fragt, wo Ihr wollt, was Keuschheit ist, Ihr werdet überall als Antwort den Begriff für körperliche Unberührtheit in irgend einer Form erklärt erhalten, jedenfalls gipfelt für die Erdenmenschen darin ihre Anschauung.

Das zeugt so ganz von kleiner Denkungsart des Menschen, die sich dem Verstande unterordnen, welcher selbst die Grenzen alles Irdischen gezogen hat, weil er nicht weiter reichen kann mit seinen Fähigkeiten, die aus Irdischem geboren sind.

Wie leicht würde es da dem Menschen sein, als keusch zu gelten und sich darin einen Ruf zu schaffen, während er in eitler Selbstverherrlichung sich sonnt. Aber nicht einen Schritt gelangt er damit aufwärts auf dem Wege zu den lichten Gärten, die als Paradies das glückselige Endziel eines Menschengeistes sind.

Es nützt dem Erdenmenschen nichts, wenn er den grobstofflichen Körper unberührt erhält und seinen Geist befleckt, der dann die Schwellen niemals überschreiten kann, die von der einen Stufe zu der andern aufwärts führen.

Keuschheit ist anders als die Menschen es sich denken, viel umfassender, größer, sie verlangt nicht, gegen die Natur sich einzustellen; denn das wäre ein Vergehen wider die in Gottes Schöpfung schwingenden Gesetze, was nicht ohne nachteilige Auswirkungen bleiben kann.

Keuschheit ist irdischer Begriff für Reinheit, welche göttlich ist. Es ist für jeden Menschengeist das Streben zu grobstofflicher Betätigung eines erahnten Abglanzes göttlicher Selbstverständlichkeit. Reinheit ist göttlich, Keuschheit ihre Nachahmung vom Menschengeist, also ein geistiges Abbild, welches sichtbar werden kann und soll in dem irdischen Tun.

Das müßte für jeden gereiften Menschengeist als Grundgesetz genügen, um die Keuschheit zu erfüllen. Aber auf der Erde ist der Mensch geneigt, unter dem Drange mancher Eigenwünsche sich selbst etwas vorzutäuschen, was in Wirklichkeit gar nicht in ihm vorhanden ist, nur um eine Erfüllung seiner Wünsche zu erreichen.

Die Eigensucht tritt führend an die Spitze und betäubt das wirklich reine Wollen! Der Mensch wird sich dies selbst nie eingestehen, sondern läßt sich dabei ruhig treiben. Wenn er sich gar nichts anderes mehr einzureden weiß, nennt er das oft sehr eindeutige Streben nach Erfüllung anfechtbarer Eigenwünsche Schicksalsfügung, der man sich ergeben muß.

Deshalb braucht er als Richtschnur und als Halt noch andere Hinweise, welche ihn erleben und erkennen lassen, was in Wahrheit Keuschheit ist, wie sie im Gotteswillen liegt, der auf der Erde keine Trennung will von der Natur.

Es ist im Göttlichen die Reinheit eng vereinigt mit der Liebe! Deshalb darf der Mensch auch auf der Erde nicht versuchen, es zu trennen, wenn ihm Segen daraus werden soll.

Doch auch Liebe ist auf Erden nur ein übles Zerrbild dessen, was sie wirklich ist. Deshalb kann sie sich ohne vorherige Äenderung nicht einen mit der Reinheit wirklichem Begriff.

Ich gebe hiermit allen denen, die bestrebt sind, Keuschheit zu erreichen, einen Hinweis, der den Halt gewährt, welchen der Mensch auf Erden braucht, um so zu leben, wie es im Gesetz der Schöpfung ruht, und wie es deshalb auch Gott wohlgefällig ist:

„Wer stets in seinem Tun auch daran denkt, daß er dem Nebenmenschen, welcher ihm vertraut, nicht Schaden bringt, nichts unternimmt, was diesen hinterher bedrukken kann, der wird immer so handeln, daß er geistig unbelastet bleibt und deshalb wirklich keusch zu nennen ist!“

Die schlichten Worte, richtig aufgefaßt, können den Menschen durch die ganze Schöpfung wohlbeschützt geleiten und ihn aufwärts führen in die lichten Gärten, seine eigentliche Heimat. Die Worte sind der Schlüssel für das rechte Wirken auf der Erde; denn die echte Keuschheit liegt in ihnen.

Der Gottessohn Jesus drückte ganz genau dasselbe mit den Worten aus:

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“

Ihr müßt Euch aber davor hüten, in die alten Menschenfehler zu verfallen und den Sinn der Worte wiederum zurechtzustutzen und teilweise zu verbiegen, damit sie Euren Eigenzwecken dienen, Euch bei falschem Tun beschwichtigen und Eure Mitmenschen in Unachtsamkeit wiegen oder gar betören helfen.

Nehmt solche Worte auf, wie sie in Wahrheit aufzunehmen sind, nicht wie sie Euch bequem erscheinen und für Euer Eigenwollen passen. Dann sind sie für Euch wie das schärfste Schwert in Eurer Hand, mit dem Ihr alles Dunkel schlagen könnt, so Ihr nur wollt. Laßt sie in rechter Art lebendig in Euch werden, um als jubelnde Sieger dankerfüllt das Leben auf der Erde zu erfassen!

de/stimme/heft_9/keuschheit.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/21 12:14 von Marek Ištvánek