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Oskar Ernst Bernhardt

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de:stimme:heft_8:gewitter

Gewitter.

von Susanne Schwarzkopff

Mittsommer.

Selig schwimmen weiße Wolken im tiefen Blau.

Getürmt zu hohen Wolkenburgen, auseinandergeweht zu zarten, fliehenden Sehleiern malen sie Sommerpracht an den weitgespannten Himmel.

Da plötzlich - was ist das? In all das selige Glück, in alle beschwingte Heiterkeit fährt ein scharfer Ton! Ist es der Wind. der pfeift? Ist es eine Stimme, die über die Erde ruft?

Wie aus dem Nichts entstanden sind dunkle Wolken da und eine drückende Schwüle legt sich beklemmend auf Körper und Seele. Als hätte sie eine riesige Hand mit einer einzigen Bewegung herangeschoben, so wachsen die dunklen Wolken drohend aus dem Westen herauf.

Stille. Atemlose Stille für einen kurzen Augenblick.

Dann schreit die Natur auf: Vögel flattern kreischend umher, sie umkreisen ihre Nester, das kleine Getier verkriecht sich.

Jetzt fährt gellend eine Sturmfanfahre durch alles Geäst. Blätter, dürre Äste fliegen in die Höhe, Sand wirbelt auf, Steinchen erfüllen schneidend die Luft.

Eilig sucht der Mensch seine Behausung auf. Wohl dem, der ein sicheres Dach zu finden weiß! Denn nun sind alle Elemente freigelassen: es peitschen die Wasser in langen Strähnen die Erde, grell zucken Blitze herab, hier und dort zündend und Schrecken hervorrufend durch das Feuer, dem sie eine Bahn schaffen.

Schlag folgt auf Schlag der Donner kracht, und Donner, Blitz, Sturm und Regen geißeln die Erde, reißen ihr Wunden und schlagen nieder, was sich ihnen in den Weg stellt.

Eben so schnell wie gekommen, sänftigt sich der Aufruhr. Die Sturmesmelodie ebbt ab, fern nur grollt der Donner noch, und abschiednehmend blitzt sekundenlang weißes Leuchten am Horizont auf.

In Tränen gebadet liegt die Erde da, aber es sind Tränen der Freude, der Erlösung und Erquickung nach unerträglicher Schwüle. Staub ist gelöscht, quälende Spannung gelöst, drückende Hitze geschwunden. Rein, frisch und erquickt atmet die Natur auf. Süße Düfte steigen aus Blütenkelchen dankend empor. Die Erde atmet herbe Kraft.

Leise nur noch wehen die Wipfel, und dann setzt wieder der Sang der Kreatur ein: erst nur ein schüchternes Vogelgezwitscher hier und da, bald aber wieder der volle Chor, der dem Schöpfer Dank jauchzt für die neu gespendete Kraft.

Gewaltig schritt sein Fuß über die Erde hin, im Zorne schien er sie zu beugen, aber auch im Zorne gab er!

Zerstörung? Nein! Bäche haben sich ein neues Bett gesucht, Morsches ward entwurzelt, um jungem Leben Raum zu machen, von den Bergen stürzten Lawinen, die unter sich begraben, was dem Tod geweiht war.

Nicht ein Stein rührte sich, der nicht gestoßen ward von dienenden Händen, nicht eine Wolke schüttete ihr Naß an unrechter Stelle aus, kein Blitz zündete, wo er nicht zünden sollte. Diener Gottes waren am Werk, und sie führten seinen heiligen Willen aus!

So wird es sein o Mensch, wenn reinigend Gottes Sturmwind Dir über Deine Seele fahren wird, sie aufrüttelnd, in ihr das Tote vollends zerschlagend, das Morsche brechend und dort zündend, wo das Feuer aus der Höhe zünden soll.

Mit zornigen reinigenden Feuerflammen wird Gottes Gericht über Dich dahinfahren, und Du wirst in die Knie sinken, wirst endlich Dein Haupt beugen vor dem, der wahrhaft groß und mächtig ist, und Dein Herr!

Und wenn Du den Sturmwind überstanden hast, dann werden Tränen des Dankes, Tränen eines ungekannten Glückes aus Deinen Augen strömen und das Letzte wegschwemmen, was sich hemmend zwischen Dich und Deines Gottes Willen aufgetürmt hatte.

Vergiß es nicht: kein Blitz zündet, wo er nicht zünden soll! Keine Sturmflut reißt Dämme nieder, die nicht fallen sollen. Im Untergang keimt neues Leben. Gott der Herr hält es schon bereit in seiner Hand.

Denke daran. Glaube und vertraue im kommenden Sturm!

de/stimme/heft_8/gewitter.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/20 21:54 von Marek Ištvánek