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Prophetentum und Neuzeit.

von Kurt Halseband

Vor nicht allzulanger Zeit erschien auf einer Londoner Kunstausstellung ein Bild, das Christus darstellte, wie er durch die Straßen einer modernen Großstadt wandelt Das wäre an und für sich nicht allzu überraschend und ausgefallen, da ja eine weitverbreitete Auslegung eines Bibelwortes von der Wiederkunft Christi auf Erden wissen will.

Der Künstler stellte jedoch den Heiland in der Art gekleidet dar, wie durch die Jahrtausende die Gewandung jener fernen Tage und Länder auf uns kam. Diese gänzlich anachronistische Auffassung beleuchtet schlagartig die Unklarheit, die darüber herrscht, wie man sich heute das Kommen eines Propheten oder gar eines Gottessohnes vorstellen will.

Die meisten werden bestimmt wenn eine diesbezügliche Frage an sie gestellt würde, überlegen lächeln mit der Begründung, es sei ja ganz zwecklos, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, denn erstens käme keiner und wenn es schließlich doch einmal sein sollte, dann würde man ja sehen … es sei doch schließlich Sache eines Propheten und Gottgesandten selbst, seine Mission zu beweisen.

Damit ist die Angelegenheit für diese Menschen erledigt Jeder, der aber etwas tiefer blickt, weiß, wie es mit dem Beweis göttlicher Sendung bei dieser Sorte Menschen ist. Sie werden nicht glauben, da der Glaube Opfer fordert, und sei es nur in der anderen Einstellung. Opfer wollen sie nicht bringen, wie sie überhaupt die Sache verkennen, daß der Mensch von heute es nötig hat denn je, sich mit einer solchen Frage auseinander zu setzen.

Die Notwendigkeit erhält schon dadurch Berechtigung, daß die Beschäftigung mit einer Frage auf geistigem Gebiet, und um eine solche handelt es sich hier zweifellos, der wirksamste Gegenpol zum heute herrschenden Materialismus ist.

Wer den Materialismus als Ursprung aller heute herrschenden Irrtümer und Fehler erkannt hat, wird das ohne weiteres verstehen. Die Bibel weist zudem auf eine Zeit hin, in der das Kommen eines Sohnes aus Gott sich wiederholen soll und deren Merkmale mit unserer Jetztzeit übereinstimmen. Das merkwürdige Sichhäufen falscher Propheten!

Viele haben davon noch gar nichts bemerkt, weil sie den Begriff „Prophet“ viel zu eng begrenzen. Im allgemeinen versteht man unter einem Propheten einen Menschen, der von Gott eine Sendung erhalten hat in Ausübung dieser Berufung wird er zum Prophet.

Von dieser ganz richtigen Feststellung ausgehend will man heute nur den als falschen Propheten erkennen, der wissentlich verbreitet, eine göttliche Sendung erfüllen zu müssen, ohne daß es der Tatsache entspricht. Hiermit ist aber nur ein ganz kleiner Teil derer erfaßt, die mit dem Bibelwort gemeint sind. Zu ihnen zählen vor allem auch diejenigen, die ein bestehendes oder erst im Aufbau begriffenes System zur Weltanschauung stempeln wollen, des weiteren alle, die im Verfolgen einer einseitig materialistischen Einstellung das Geistige im Menschen - das ist das Unsterbliche - verneinen wollen.

Diese falschen Propheten findet man überall, auf allen Gebieten; im geistigen, kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Leben. Es sind Tausende! Derjenige aber, der erwartet wird, und der der wirkliche Gottgesandte sein soll, ist nur ein Einziger unter einer Masse ihm feindlicher Nachahmer. Und doch ist der Mensch, der nach geistigen Werten strebt, vor die Notwendigkeit gestellt, alles an seinem Wege liegende Prophetentum mit Schärfe zu prüfen, um den Verheißenen zu erkennen.

Auf den ersten Augenblick erscheint das ungeheuer schwer und für den Menschen nahezu unlösbar. Es erscheint aber nur so. Jedem Menschen ist ein untrüglicher Maßstab gegeben, Falsches vom Wahren zu unterscheiden. Er muß den Maßstab wieder finden, was ihm allerdings nicht leicht wird; denn es verlangt ein Auferwecken der Werte, die einen Menschen erst zum Menschen machen. Das ist der einzig gangbare Weg.

Dem Menschen ist die Schlußfolgerung erlaubt, daß ein Gottgesandter und seine wahren HeIfer bestrebt sein werden, in allererster Linie auf das Innere der Menschen einzuwirken, um diesen den Weg zum wahren Menschentum zu erleichtern, ja, ihn überhaupt erst wieder gangbar zu machen und damit einen gesunden Grund zu schaffen.

Der Gottgesandte wird den Menschen die vollste Klarheit über die Vorgänge in ihnen und um sie verschaffen müssen, um ihnen damit einen festen, geistigen Halt zu geben. Wir werden den Kommenden schon darin erkennen, daß er den Glauben zur wissenden Überzeugung werden läßt.

Überraschend bei der so aufgeklärten Menschheit ist die unbekümmerte Naivität, wie sie sich das Kommen eines Gottgesandten vorstellt. Diejenigen, die überhaupt die Möglichkeit des Kommens eines solchen nicht von vornherein ablehnen oder für unzeitgemäß halten, es gibt leider genug Menschen, die der Ansicht sind, Gott richte sich nach ihren Wünschen und Ansichten, stellen sich das Kommen so vor, daß er in den Wolken einhergefahren käme und den Erdenaugen sichtbar zur Erde herniederstiege, damit allein schon damit seine Echtheit beweisend.

Diese Ansicht ist ungemein bequem und erübrigt das gerade unumgängliche Prüfen und Suchen! Der Glaube an eine solche Möglichkeit enthält bei aller scheinbaren kindlichen oder besser gesagt „kindischen“ Unbekümmertheit eine ungeheure Anmaßung, aber keine Größe. Er stellt ganz unverblümt die Erwartung, daß Gott sich den Menschen, die sich von ihm abwandten, nähern müsse und nicht der Mensch seinem Schöpfer.

Die Berufung darauf, daß es in alten Überlieferungen so laute, zeugt von Denkfaulheit, denn es ist doch nicht schwer zu erkennen, daß damit nur geistige Vorgänge gemeint sind und mit dem irdischen Kommen nur indirekt zu tun haben.

Auch die schon erwähnte Auffassung des Künstlers auf dem Londoner Gemälde erhebt keinen Anspruch auf große Vertiefung. Ist es denn nötig, daß ein Prophet durch Ausgefallenheit seine Sendung bezeugt? Liegt denn nicht viel mehr Größe darin, wenn Gott seinen Gesandten Mensch werden läßt unter Menschen? Wenn wir es recht bedenken, ist es überhaupt die einzige Möglichkeit, wie den Erdenmenschen vom Lichte aus noch Hilfe werden kann. Das Wissen, daß der Gottgesandte dadurch Bescheid weiß um alle unsere Fehler und Nöte, indem er selber Mensch wurde, kann uns schönster Trost sein und Zuversicht, daß die Hilfe auf Wegen zu uns kommen wird, auf denen wir sie erkennen und verwerten können.

Wer von der Vollkommenheit Gottes überzeugt ist, weiß, daß dieser Weg der richtige ist, den der Kommende von der Verstrickung, Verwirrung und Verbogenheit der Erdenmenschen, um diesen helfen und ihnen ihren Lohn zukommen lassen zu können.

Ja, das ist es, das fühlen wir alle, die wir an sein Kommen glauben; er wird Gericht halten, Gericht halten müssen, wenn die wenigen Guten nicht noch in den Schlingen des Bösen versinken sollen. Das will Gottes Gerechtigkeit nicht, denn Gott ist die Vollkommenheit. Darum wird er Gericht halten lassen.

Auch die, die nicht an etwas derartiges glauben wollen, fühlen unbewußt, wie jetzt schon ein allgemeiner Druck lastet auf der Menschheit. Woher käme dieses immer mehr auffallende Hasten, diese Unrast. Das Suchen, das krampfhafte Sichklammern an Werte, die, aus besseren Zeiten übernommen, auch jetzt noch Bestand verbürgen sollen, oder wenn sie dazu nicht mehr in der Lage sind, das willenlose Nachfolgen den Versprechungen neuer Menschheitsbeglücker.

Es ist auch kein Zufall, daß unsere Zeit Diktaturen zustrebt, denn auch sie sind nur der Ausdruck eines unbestimmten inneren Dranges und Suchens, das in der Gefolgschaft eines Führers Form gewinnen will.

Alle diese Anzeichen sprechen doch eine so beredte Sprache, daß sie jedem ernsten Menschen eine stete Mahnung sein müßte, Augen und Ohren offen zu halten. Bei der wenig schönen Mentalität unserer Zeitgenossen ist der Schluß noch nicht einmal verfehlt, daß man dort vielleicht am ehesten Wahrheit finden kann, gegen den man sich nicht genug tun kann in Schmähungen und Verfolgungen, denn dort ist unter Umständen auch die echte und lebende Wahrheit zu finden.

Wir wollen doch nicht so optimistisch sein und annehmen, daß der Kommende unangefeindet seinen Weg wird gehen können. Das, was Jesus geschah, ist uns noch viel zu deutlich vor Augen! Jesus wurde seinerzeit das Streben nach irdischer Macht zum Vorwurf gemacht, dasselbe wäre z. B. auch heute bei dem herrschenden allgemeinen Mißtrauen ebenso ohne weiteres möglich. Damals erkannte man dafür den Tod, heute hat man andere Methoden. Es wäre gut möglich, daß man versuchte, den Gottgesandten moralisch unmöglich zu machen und somit seine Sendung von vornherein zu untergraben.

Darum ergibt sich für uns als weitere Notwendigkeit, um nichts zu versäumen, immer das Wort, das uns geboten wird, anzusehen und nicht die Person, die es bringt. Wenn wir im Worte das Rechte gefunden haben, sind wir sicher, daß die Person auch als solche allem die Krone aufsetzen wird. Wird jedoch zuerst die Person ins Auge gefaßt, so ist die Gefahr vorhanden, daß durch irgend etwas Gehörtes, Verleumderisches oder Ähnliches, die Aufnahmefähigkeit für das Wort getrübt wird und man am Besten, was uns überhaupt werden kann, vorübergeht.

Fast bei allen Propheten und vor allem auch beim Gottessohne Jesus von Nazareth, erleben wir dieselben Erscheinungen. Die staatliche Obrigkeit und vor allem die herrschende Geistlichkeit stellt sich von vornherein in Gegensatz zu diesen Gesandten.

Wenn nun auf die Einstellung der Staatsleitungen vielleicht gerade noch menschlich verständlich erscheinen mag - entschuldbar ist es deshalb keineswegs. So ist die jedesmalige Einstellung der Geistlichkeit mehr als überraschend; denn sie spricht ja gerade den von ihr vertretenen Prinzipien der Gottanbetung und des Gottesdienstes Hohn.

Sie war immer ein Schlag ins Gesicht für jeden, der in der Geistlichkeit den Wegvermittler zu geistigem Aufstieg sehen wollte. Jeder Mensch mußte erkennen, daß die Geistlichkeit aller vergangenen Zeiten irdische Machtentfaltung auf Grund eines tiefgehenden Einflusses auf das Seelenleben der Gläubigen vor die wahren Priesterpflichten stellte.

Trotz dieser Vorkommnisse, aus der Erdenzeit Jesus Christus und früherer Wahrheitsbringer lernte aber die Menschheit nicht das Geringste, wie die vergangenen Jahrhunderte zur Genüge beweisen und die Frage ist daher nicht unberechtigt, ob es heute nicht auch noch so ist! Wir wollen und können diese Frage nicht erschöpfend beantworten, aber wir wollen alle Möglichkeiten ins Auge fassen, um nichts zu versäumen.

Es ist doch klar, daß ein Gottgesandter von für Menschenbegriffe unfaßbarer Reinheit sein muß, sonst könnte er ja kein solcher sein. Ebenso klar ist aber auch, daß dessen Grundbegriffe und Anschauungen in vielen Dingen ganz anderer Art sein können oder müssen, weil sich ja die Erdenmenschen weit vom Erfassen oder Verstehen des Gotteswillens entfernt haben und nur noch ihre eigenen Ansichten gelten lassen und sich zum Gesetz machten.

Selbstverständlich ist uns aber auch die heutige Fehlerhaftigkeit der ganzen Menschheit, selbst der Gutwollenden. Das sind, wie leicht zu verstehen, von vornherein zwei scharfe Gegensätze!

Wo Gegensätze herrschen sind Reibungen unvermeidbar und diese Reibungen sind um so stärker, je größer die Gegensätze sind - alles ganz bekannte Tatsachen. Die Folge davon ist naturgemäß eine arge Bedrängnis für jeden Gottgesandten, der gegen eine ungeheure Übermacht anzukämpfen hat.

Während nun Gutwollende, die ihre FehIerhaftigkeit empfinden, die Möglichkeit erhalten, sich selbst zu erkennen und zu reinigen, wird wohl der böswillige Teil der Menschheit die Hebel in Bewegung setzen um die Verbreitung einer Gottesbotschaft zu verhindern.

Wir sehen hier bereits eine Scheidung der Menschheit in sich eingetreten. Auch die Bibel spricht von einer solchen Trennung, die die Böcke von den Schafen sondert. Zu den Böcken müssen wir wenn wir streng und sachlich denken, eigentlich auch die Lauen rechnen, von denen es heißt, sie sollen ausgespien werden. Die Lauen sind die Gleichgültigen, die Denkfaulen, die nicht kalt und nicht heiß sein wollen und meinen, dann ihre Lebensweisheit gefunden zu haben.

Darin liegt keine Ungerechtigkeit, denn in dem Verhältnis zu Gott gibt es für den Menschen als einer Kreatur Gottes nur das eine: Eine dankbare, bejahende Einstellung und ein sich bedingungsloses Einfügen in seine Gesetze und Gebote. Die Lauen wollen das aber nicht, da sie nicht in Gegensatz zu den Übelwollenden kommen möchten, wie sie aus Bequemlichkeit jeden Gegensatz meiden. Dabei müssen sie natürlich geistig einschlafen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie ist aber für jeden von größter Wichtigkeit und aus diesem Grunde sollen solche Worte hier nicht ungesprochen bleiben.

Für jeden, der mit allen Fasern seines Herzens empfindet, wie unsere Zeit in Wirklichkeit ist, der mit seinen Augen und Ohren alles sieht und hört, was sie uns bringt, der muß es wissen und erkennen:

Die Zeit ist reif für die große Wende, für die verheißene letzte Sichtung! Darum soll jeder Suchende sich mit der heißen Bitte zu Gott, dem Allerhöchsten wenden:

„Herr, wir wissen, Deine Zeit ist gekommen und bitten Dich, laß uns zur rechten Zeit erkennen!“

de/stimme/heft_7/prophetentum_und_neuzeit.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/18 23:17 von Marek Ištvánek