Abd-ru-shin

Oskar Ernst Bernhardt

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Die Erlösung.

von Bernhard Hermann, Zürich

Andächtig und dankerfüllt lauscht die Christenheit aller Bekennt-nisse auf, wenn ihr von Kanzeln und Kathedern in Sprechzimmern, Büchern und Blättern immer wieder verkündet wird: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde!“ (1. Joh. 1, 7).

Nachdrücklich werden Menschen, die durch das Empfinden ihrer Verlorenheit unruhig geworden sind, von ihren Seelsorgern „unter das Kreuz Christi geführt“, das heißt, es wird ihnen nahegebracht, daß sie ihre Sünden nur ruhig unter das Kreuz legen, den Heiland vertrauend um Vergebung bitten und in festem Glauben an sein vergossenes Blut die darin enthaltene Erlösung annehmen müssen.

Befolgt dies ein Mensch, dann gilt er als „bekehrt“, dann glaubt er sich als „Kind Gottes“, welches sagen darf: „Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.“ (2. Kor. 5, 17).

Und in der Tat, ein solches Erleben kann der Wendepunkt zum Guten werden. Es kann zu einem neuen Leben führen; jedoch die meisten „Bekehrten“ bleiben bei der „Erlösungstatsache“ stehen und ein großer Teil der Erlösungsfreude besteht in dem Glauben, daß die Sündenlast in so einfacher Weise getilgt worden sei.

Törichter Wahn! Steht nicht gerade in den Briefen der Apostel, aus denen die Christenheit die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben abgeleitet hat, das Wort vom Trachten nach der Heiligung, ohne welche niemand den Herrn sehen wird? (Hebr. 12, 14). Und ist uns aus den Überlieferungen der Bibel auch nur ein Wort von Jesus bekannt, daß er etwa gesagt hätte: „Seid getrost, meine Lieben, mögt Ihr Euch an Sünden aufgeladen haben was Ihr wollt, ich werde hingehen und mich für Euch kreuzigen lassen. Wenn der Vater dann mein Blut fließen sieht, wird er Eurer Schuld nicht mehr gedenken. Am Ende Eurer Erdentage werdet Ihr dann von Engeln sanft ins Paradies getragen.“

Wer ist so abgehärtet, daß er nicht erschrickt wenn das Erlösungsdogma der Christenheit in solch nackten Worten vor seine Augen gestellt wird?

Jedermann empfindet sofort, daß Jesus niemals so gesprochen haben kann, denn er kam aus Gott, und Gott ist vollkommen gerecht und seine Gesetze sind ewig. Nach diesen ewigen Gesetzen ist es unmöglich, daß ein Reiner, Unschuldiger, ja ein Teil der Heiligen Gottheit seIbst, welcher der Menschheit nichts als unendliche Liebe entgegengebracht hatte, für uns Menschengeister, die wir uns aus eigenen falschen Entschließungen mit Schmutz und Schuld beladen haben, durch einen grausamen Tod als Opferlamm Gottes sich hätte schlachten lassen müssen, damit wir, die Urheber unserer Sündenlast, ungeschoren davonkommen könnten!

Niemals! Was auf Golgatha geschah, war der gemeinste Mord, der je in der Schöpfung geschehen ist! Denkt Euch den heiligen, gerechten Gott, der durch ein solches Verbrechen mit der Menschheit, die es verübte, versöhnt werden soll! Wenn aber ein Gedanke daran in einem gläubigen Christen aufkommen will, wird er sofort wieder unterdrückt mit dem Hinweis auf die „unfaßbare Liebe des Vaters, der seines eingeborenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben.“

Abd-ru-shin schreibt hierzu: 1)

„Werfet auf ihn alle Schuld“ … denken sie mit inbrünstiger Andacht und wissen nicht, was sie eigentlich tun. Sie schlafen, aber ihr Erwachen wird einst furchtbar sein! Ihr anscheinender demütiger Glaube ist nichts als Selbstgefälligkeit und grenzenlose Hoffart, wenn sie sich einbilden, daß ein Gottessohn, um dienend für sie den Weg zu bereiten, auf dem sie dann stumpfsinnig direkt in das Himmelreich hineintrotten können. Eigentlich müßte jedermann sofort die Hohlheit ohne weiteres erkennen. Sie kann nur von unbeschreiblicher Bequemlichkeit und Leichtsinnigkeit geboren werden, wenn sie nicht Klugheit als Lockmittel irdischer Vorteile schuf!

Die Menschheit hat sich in tausend Irrgängen verloren und betrügt sich in ihrem törichten Glauben selbst. Welche Herabwürdigung Gottes liegt darin! Was ist der Mensch, daß er sich erkühnt, zu erwarten, ein Gott sendet seinen eingeborenen Sohn, also ein Stück seiner eigenen, wesenlosen Lebendigkeit, damit die Menschen ihre Sündenlast auf ihn zu werfen vermögen, nur, damit sie sich nicht selbst zu bemühen brauchen, ihre schmutzige Wäsche zu waschen und die sich aufgebürdete dunkle Last abzutragen. Wehe denen, die solche Gedanken einst zu verantworten haben! Es ist die frechste Beschmutzung der erhabenen Gottheit! Christi Sendung war nicht solch niedriger Art, sondern sie war hoheitsvoll fordernd nach dem Vater weisend.“

Wir wollen uns nun daraufhin einmal einige durch die Bibel von Jesus überlieferte Worte vor Augen führen, welche uns zeigen, daß er fordernd vor uns steht, z. B.: „Es sei denn, daß ihr umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matth. 18, 3); „Bittet, so wird Euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an so wird Euch aufgetan.“ (Matth. 7, 7); „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel“ (Matth. 7, 21); „Wenn Ihr meine Gebote befolgt, so bleibet Ihr in meiner Liebe“ (Joh. 15, 10); „Wenn Ihr an meinem Worte festhaltet, so seid Ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch freimachen!“ (Joh. 8, 31).

Wer möchte nach innerem Überlegen dieser Aussprüche noch im Ernst behaupten, daß wir zu unserer ErIösung außer festem Glauben nichts beizutragen hätten, sondern uns vom Heiland alles schenken lassen müßten? Die angeführten Worte zeigen ganz klar, daß wir uns auf dem Wege zum Licht selbst zu bemühen haben; daß wir unseren persönlichen Willen anstrengen müssen, wenn wir je das Ziel der Menschensehnsucht, das Paradies, erreichen wollen. –

Auch von anderen Seiten her beleuchtet, ergibt sieh die Tatsache, daß nicht der Tod des Gottessohnes, sondern die von ihm gebrachte Wahrheit die Erlösung der Menschheit in sich schließt:

Wenn Jesus von den Aufstiegsmöglichkeiten der Menschen sprach, bezog sich seine Rede stets auf die Gegenwart.

„Ich bin als Licht in ,die Welt gekommen, damit keiner, der an mich glaubt, in der Finsternis bleibe“ (Joh. 12, 46); „Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden“ (Joh. 10, 9); „Selig sind die Sanftmütigen, Barmherzigen, Friedfertigen, Reinen usw.“ (Matth. 5, 3-12); „Ihr seid das Salz der Erde, … Ihr seid das Licht der Welt …“ (Matth. 5, 13-14); „Ihr seid rein, aber nicht alle“ (Joh. 13, 10). Somit konnte also Jesus zu einigen der ihm Nachfolgenden bereits sagen: „Ihr seid das Salz, Ihr seid das Licht der Welt, Ihr seid rein!“

Das sind vollendete Tatsachen. Diese Menschen hatten zu jenem Zeitpunkt das ewige Leben schon in sich, weil sie begonnen hatten, sich auf den von Jesus gezeichneten Weg vorwärts zu bewegen. Jeder Mensch, der das Wort der Wahrheit in sich aufnahm und lebendig machte, hatte damit einen Schlußstrich unter seinen bisherigen falschen Weg gesetzt und begann aus freier Entschließung, aus innerem Bedürfnis, sich nach diesem Worte einzurichten, seinen Kurs zu ändern; nicht mehr gegen die Gesetze anzulaufen, sondern sich ihnen bewußt einzufügen. Sich den Gesetzen Gottes einfügen bedeutet aber nichts Geringeres, als im Grade des guten Wollens von ihnen emporgehoben zu werden zum Licht!

Damit ist wiederum erwiesen, daß man durch das Befolgen der Gesetze Gottes, welche immer wieder durch lichtgesandte Boten und schließlich durch Jesus von Nazareth der Menschheit gekündet wurden, schon vor seinem Tode am Kreuz Erlösung finden konnte. Bedurfte es da wirklich seines Blutes? Hätte Jesus wohl in Gethsemane den Vater gebeten, womöglich den Kelch an ihm vorübergehen zu lassen, wenn er mit der Tatsache seines Todes die Menschheit hätte retten können?

Es sind aber der Tatsachen noch mehr, die zeigen, daß das Geschehen von Golgatha die Menschheit nicht erlöste, sondern schwer belastete.

Sehen wir uns das Gleichnis des Gottessohnes von den treulosen Weingärtnern (Matth. 21, 33-43) einmal daraufhin an:

Der Besitzer eines Weinberges hatte zur Zeit der Ernte wiederholt einige Knechte hingeschickt, die Früchte zu holen. Die Weingärtner aber mißhandelten oder töteten sie. Da sandte der Herr seinen Sohn in den Weinberg um den Treulosen damit zu zeigen, wie ernst es ihm mit seiner Forderung war. Statt aber auf seinen Sohn zu hören, töteten sie ihn, weil sie hofften, dann das Besitztum an sich reißen zu können. Als Folge davon verloren sie nicht nur den Weinberg, sondern auch ihr Leben!

Wenn das Erlösungsdogma der Kirchen richtig wäre, so müßte dieses Gleichnis einen andern Ausgang nehmen. Etwa den, daß der Herr den Mördern seines Sohnes nicht ,nur nicht zürnte, sondern sie in den Adelsstand erhob und ihnen den Weinberg und seine übrigen Güter zum Geschenk machte.

Was Jesus in seinem Gleichnis zum Ausdruck brachte, hat sich später furchtbar erfüllt: Beim Kreuzestod des Heiligen Sohnes bebte die Erde, Felsen zerbarsten, die Sonne verlor ihren Schein und im Tempel zerriß der Vorhang von unten bis oben. Darin zeigte sich der Schmerz der unzählbaren Diener Gottes über die unbegreifliche Mißhandlung und Tötung seines Sohnes, ausgerechnet von der Menschheit, der zu helfen er aus der Herrlichkeit seines Vaters herabgestiegen war. -

Judas, dessen betont verstandesmäßige Einstellung vom giftschäumenden Dunkel zum Verrat an dem Gottessohne benützt worden war, ging nach seiner unseligen Tat in den Tempel, warf sein Blutgeld den Priestern vor die Füße und erhängte sich darnach (Matth. 27, 3). Hätte er wohl, wenn er ein Werkzeug Gottes gewesen wäre, um sein Opferlamm zu schlachten, ein solches Ende nehmen müssen? –

Wenige Jahrzehnte nach dem Mord von Golgatha verloren in kriegerischen Verwicklungen viele Hunderttausende des Judenvolkes ihr Leben, der herrliche Tempel in Jerusalem wurde zerstört, die überlebenden Juden aus dem Land vertrieben. Ihre Nachkommen gehen noch heute heimatlos, mißachtet, gehaßt und verfolgt durch die Welt. –

Wäre dies alles wohl geschehen, wenn sie nicht die untreuen Weingärtner gewesen wären die den Sohn umbrachten, statt auf ihn zu hören?

Abd-ru-shin schreibt darüber (Vortrag: Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl 2) ):

„Bei Christi Tod zerriß im Tempel der Vorhang, der das Allerheiligste von der Menschheit abschloß. Dieser Vorgang wird als Symbol dafür genommen, daß mit dem Opfertod des Heilandes im gleichen Augenblicke die Trennung zwischen der Menschheit und der Gottheit aufhörte, also eine unmittelbare Verbindung geschaffen wurde.

Die Deutung ist aber falsch. Mit der Kreuzigung lehnten die Menschen den Gottessohn als den erwarteten Messias ab, wodurch die Trennung größer wurde! Der Vorhang zerriß, weil das Allerheiligste daraufhin nicht mehr notwendig war. Es wurde den Blicken und unreinen Strömungen geöffnet, da, symbolisch ausgedrückt, das Göttliche nach dieser Tat seinen Fuß nicht mehr auf die Erde setzte, womit das Allerheiligste überflüssig wurde. Also gerade das Gegenteil der bisherigen Deutungen, in denen sich wiederum wie so oft nur die große Überhebung des Menschengeistes zeigt.

Der Tod am Kreuze war auch nicht ein notwendiges Opfer, sondern ein Mord ein regelrechtes Verbrechen. Jede andere Erklärung ist eine Umschreibung, die entweder als Entschuldigung gelten soll, oder aus Unwissenheit erstand. Christus kam durchaus nicht auf die Erde in der Absicht, sich kreuzigen zu lassen. Darin ruht auch die Erlösung nicht! Sondern Christus wurde gekreuzigt als lästiger Wahrheitsbringer, um seiner Lehre Willen.

Nicht sein Kreuzestod konnte und sollte die Erlösung bringen, sondern die Wahrheit, die er der Menschheit in seinen Worten gab!“

Christus wurde also gekreuzigt um seiner Lehre willen. Er wußte wohl, daß dunkle Menschen, voran die religiösen Führer der Juden, ihm in bitterer Feindschaft gegenüberstanden, weil sein kraftvolles Wort als ständige Anklage gegen ihre Fadheit wirkte und sie sich gestehen mußten, daß ihre Macht raschem Zerfall entgegenging. Darum wollten sie Jesus zum Schweigen bringen, solange es für ihre Macht noch Zeit war.

Jesus starb um der Sünde der Menschheit willen; doch tilgen kann er unsere Schuld damit nicht! Es ist allein unsere Sache, unsere schmutzige Wäsche zu waschen!

Wie können wir uns aber reinigen, uns unserer Last entledigen?

Schon nach menschlichen Rechtsbegriffen steht fest, daß für ein Vergehen der Urheber und nicht irgend ein Unbeteiligter büßen muß. In der ganzen Schöpfung herrscht das Gesetz der Wechselwirkung, durch das jede Tat, sei sie nun gut oder böse, unweigerlich früher oder später wieder auf den Urheber zurückkommt. Wie man etwas in die Welt setzt, so kehrt es verstärkt wieder. Was der Mensch säet, das muß er ernten!

Wo ist nun der Mensch, der sich nicht gestehen muß, daß er in einer Kette von Schuld verstrickt ist, welche fest an ihm haftet? Und der bei dieser Erkenntnis sich nicht nach Erlösung sehnt? Doch glaubt der Mensch gewöhnlich, die Erlösung in weiter Ferne suchen zu müssen, statt zu erkennen, daß mit der Erlösung heute begonnen werden muß und begonnen werden kann! Aber wie sollte dies geschehen?

Indem der Mensch das Wort der Wahrheit in sein Innerstes aufnimmt, es dort bildhaft zu erfassen sucht. Dann wird es ihm so groß, daß es in ihm lebendig wird und er gar nicht anderes mehr will, als mit allen Kräften sein Leben nach dem Willen Gottes einzurichten, nicht mehr wissentlich Unrecht zu begehen.

Von diesem Punkte an ist schon ein Ende der schuldhaften Verstrickungen abzusehen, denn er wird der alten Schuld keine oder nur noch unwesentliche neue hinzufügen und kann nun damit beginnen, die alten Verknotungen zu lösen. Die Schuld als solche kann niemals erlassen werden, sondern muß Punkt für Punkt auf uns kommen, bis alles abgelöst und damit getilgt ist.

Bei anhaltend gutem Wollen und wachsender Erkenntnis der Wahrheit wird nach und nach die Menschenseele immer heller und leichter; schließlich bildet sich ein Lichtpanzer um sie, der dunkle Rückwirkungen, weil andersartig, nur noch abgeschwächt durchdringen oder gar ganz abprallen läßt. Somit kann ein Lichtstrebender dahin kommen, daß auf ihn zurückfallende Schuld, die sich als schwerer Schicksalsschlag über ihm entladen müßte, nur noch symbolisch an ihm ausgelöst wird. Dem Gesetz der WechseIwirkung ist aber damit Genüge getan, die Schuld ist getilgt, ein Glied der Kette abgefallen!

Durch das Erfüllen des Gotteswillens also besteht die Möglichkeit der Tilgung aller Schuld, wodurch der Mensch aufsteigen kann in lichte Sphären, um schließlich eingehen zu dürfen, in das Geistige Reich zu den Füßen der Gottheit.

Allerdings fällt es uns nicht in den Schoß, sondern wir müssen uns ernstlich darum bemühen. Aber das ist für unzählige Menschen schon zuviel verlangt. Nicht umsonst mußte Jesus einstmals sagen: „Die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und nur wenige sind es, die ihn finden!“ (Matth 7, 14). –


Durch die Botschaft Abd-ru-shins wird uns auch ohne weiteres klar, weshalb trotz vielfach getrübter Weitergabe der Worte des Heilandes und trotz wesentlich falschen Auslegungen derselben dennoch der Weg zum Leben für die Menschheit geöffnet sein konnte.

Gleich den jüdischen Gelehrten, welche die durch Moses gekündeten zehn Gebote Gottes durch ihre Klügeleien entstellten, errichteten christliche Kirchenlehrer und Konzilien um die überlieferte Lehre Jesu ein umfangreiches Gebäude von Auslegungen und GIaubenssätzen, welche nie vermochten, der breiten Masse der Christenheit echtes Geistesleben zu vermitteln. Wären denn sonst die Folterungen und Meuchelmorde, Kirchenstreite und Religionskriege innerhalb der christlichen Bekenntnisse möglich gewesen?

Und doch gab es zu allen Zeiten Menschen, die wahrhaftig in der Kraft der Botschaft Jesu Christi lebten und triumphierend ihre Erdenkörper verlassen konnten! Wer aber waren diese?

Es waren nicht die, die „Herr, Herr“ riefen, sondern diejenigen, welche den Willen des Vaters im Himmel taten! Mögen sie auch mit ihren Zeitgenossen geglaubt haben, daß in der Tatsache der Kreuzigung Jesu Christi unsere Erlösung begründet sei, so war ihnen aber die große Liebe des Heilandes ein steter Ansporn, nach seinen Worten zu leben. Und dieses von Herzen kommende Bedürfnis hat sie dann ganz naturgemäß auf den Weg zum Leben gebracht, ihre Seelen hell und leicht werden lassen und nach ihrem körperlichen Tode in beseligende Sphären gehoben.

Es kommt in unserem Sein nicht auf religiöse Bekenntnisse, sondern auf unsere innerste Einstellung, auf unsere Gesinnung an. Es kommt darauf an, daß wir das Wort der Wahrheit tief in unser Innerstes aufnehmen, es in uns lebendig machen, so, daß es uns ganz durchdringt, uns - bildlich gesprochen - „in Fleisch und Blut übergeht“ – so, daß es uns in Kenntnis der Gottgesetze ein natürliches, inneres Bedürfnis ist, ganz in denselben zu leben.

Vielgeschäftige, gesuchte, sklavische Werkgerechtigkeit ist ebenso verkehrt wie die bequeme Annahme, daß der Heiland ja alles für uns getan habe und wir uns vor Gott nur auf seine Liebe zu berufen brauchen, um damit im Gericht bestehen zu können.


Vor seinem Tode sprach Jesus zu seinen Jüngern:

„Ich hätte Euch noch viel zu sagen, doch Ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener gekommen ist, der Geist der Wahrheit, der wird Euch in die ganze Wahrheit einführen!“ (Joh. 16, 12-13). Jesus war durch das Unverständnis seiner menschlichen Umgebung und durch den vorzeitigen Abbruch seines Erdenlebens daran verhindert, den Menschen das Wissen von Gott geben zu können, und mußte an dessen Stelle Glauben von ihnen verlangen. Gleichzeitig aber wies er seine Umgebung aber auf den kommenden „Geist der Wahrheit“, welcher den Menschen in die ganze Wahrheit einführen werde!

Gläubiger, ringe Dich los aus der Verkapselung blinden Glaubens; werde wissend und damit lebendig!

Es hat seine tiefe Bedeutung, wenn Abd-ru-shin spricht: (Vortrag: Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl 3) ):

„Wer ernsthaft nachdenkt, der wird auch die Wahrheit und somit den wahren Weg erkennen! Die Denkfaulen und Trägen aber, die das ihnen vom Schöpfer überlassene Lämpchen, also die Fähigkeit des Prüfens und Durchleuchtens, gleich den törichten Jungfrauen in dem Gleichnisse nicht mit aller Aufmerksamkeit und Mühe dauernd in Ordnung und bereit halten, können leicht die Stunde versäumen, wenn das „Wort der Wahrheit“ zu ihnen kommt. Da sie sich einschläfern ließen in müde Gemächlichkeit und blinden Glauben, so werden sie durch ihre Trägheit nicht fähig sein, den Wahrheitsbringer oder Bräutigam zu erkennen. Sie müssen dann zurückbleiben, wenn die Wachsamen eingehen in das Reich der Freude.“

Darum: Glaubt Euch nicht zu Tode, sondern werdet frei! „Legt ab die naturwidrigen Scheuleder, die Euch am freien Ausblick hindern! Steht als Lebendige in Eures Gottes wundervoller Schöpfung!“

de/stimme/heft_7/die_erlosung.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/19 00:37 von Marek Ištvánek