Abd-ru-shin

Oskar Ernst Bernhardt

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de:stimme:heft_6:was_ist_gluck

Was ist Glück?

von Herbert Vollmann

Es gibt in der Weltliteratur eine beträchtliche Anzahl von Schriften und Büchern, in denen versucht wird, den Menschen den Weg zum Glück zu zeigen.

Nimmt man solche vielversprechende Bücher in die Hand und versucht, sich in den Inhalt zu vertiefen, so kann man in den weitaus meisten Fällen feststellen, daß unter Glück nur ein ganz gewöhnlicher irdischer Vorteil in gesellschaftlicher und in materieller Beziehung gemeint ist.

Es wird vielfach angestrebt, durch Schulung der Verstandeskräfte eine Stellung zu erreichen, die außer Befriedigung des Geltungsbedürfnisses vor allem irdischen Reichtum mit sich bringt.

Damit ist dann das Ziel auf dem Wege zum Glücke erreicht, der in diesem Falle nur so weit führt, wie ihn die irdischen Sinne und Gefühle wahrzunehmen vermögen.

Es ist zu verstehen, wenn ein Mensch sich emporarbeiten will, wenn er bestrebt ist, eine sichere materielle Grundlage zu schaffen; er hat aber mit der Erreichung dieses Zieles noch lange nicht das Glück erreicht, jenes wahre Glück, das erst im Begreifen und Erleben jenseitiger Vorgänge seinen Anfang nimmt, und doch dabei das Leben auf der Erde voll genießen läßt, ja überhaupt erst die Möglichkeit gibt, die irdischen Genüsse richtig auszukosten in reiner, wahrer Freude.

In der großen Schöpfung geht die Entwickelung immer von oben nach unten.

Auch das „irdische Glück“ ist nur eine Folge des überirdischen Glücksempfindens, das schon auf der Erde bewußt erlebt werden kann.

So ist es verständlich, daß ein Mensch, der mit irdischen Gütern reichlich versehen ist, der eine führende Stellung innehat oder sonst irgendwie materiell gesichert ist, nicht glücklich ist, wenn nicht dieses irdische Wohlergehen einen Anschluß findet an die Schöpfungsurgesetze.

Fast jedem ist doch schon einmal ein Mensch begegnet, der trotz allen irdischen Reichtumes tief unglücklich war, ja oft sogar seelisch vollständig zerrüttet.

Ein solcher Mensch hat es dann nicht verstanden, sich in seinem Denken und Tun den Gottgesetzen anzupassen, er wird sich kaum gefragt haben, ob dieses und jenes, was er tut, auch im Einklang mit den Naturgesetzen steht, vorausgesetzt, daß er überhaupt einen Begriff davon hatte, wie diese Gesetze sich auswirken.

Für ihn wäre es beispielsweise besonders wichtig gewesen, zu wissen, daß Geben und Nehmen sich stets ausgleichen müssen, daß er von seinem Reichtum nicht jedem beliebigen Menschen geben durfte, wenn kein Gegenwert da war, und hätte dieser auch nur in einem tief empfundenen Danke gelegen. Auf der anderen Seite durfte er die Leistungen seiner Mitmenschen nicht zu gering achten und zu wenig von seinem Vermögen abgeben, wenn ein höherer Gegenwert. gerechtfertigt erschien.

Schon das Mißachten dieses einen Gesetzes vom Ausgleich im Geben und Nehmen bringt gerade über einen mit irdischen Gütern bedachten Menschen oft namenloses Unglück, um so mehr da er meistens nicht nur sich selbst, sondern auch noch seine Mitmenschen schädigt.

Die Frage, wie ein Mensch, der die Schöpfungsgesetze nicht beachtet oder sogar verachtet, überhaupt die Möglichkeit bekommt, irdischen Reichtum zu erlangen, kann nicht nach einer Richtung hin beantwortet werden.

Es ist zum Beispiel möglich, daß er sich die Vorbedingung für den Reichtum in einem früheren Erdenleben schuf, und ihm in diesem Erdensein die Erfüllung wurde. Zur Zeit der Erfüllung kann seine Seele nun besser oder schlechter geworden sein oder denselben Zustand wie damals beibehalten haben. Daran stört sich aber das Gesetz der Wechselwirkung, das Gesetz vom Säen und Ernten nicht; sondern die Ernte, in diesem Fall irdischer Reichtum, wird ihm irgendwann auf jeden Fall, wie er auch zur Zeit der Erfüllung innerlich beschaffen sein mag.

Es ist dann seine Sache, diese irdische Grundlage richtig auszunützen und auf ihr das wahre Glück zu errichten, den irdischen Reichtum mit dem Reichtum der Seele zu verbinden.

Wenn es nun einige wenige Schriften gibt, die die Erlangung des echten Glückes nicht von irdischen Vorteilen, sondern von einer höheren Einstellung, von einer Verbindung mit höheren, übersinnlichen Kräften abhängig machen, so kommen sie damit dem Begriff des wahren Glückes beträchtlich näher, das immer schon wie ein köstliches Kleinod, wie ein starker Magnet in der Schöpfung bereit liegt für die nach dem Lichte strebende Menschheit.

Das wahre Glück liegt ohne Ausnahme für einen jeden Menschen in der Schöpfung bereit, es ist aber weder durch irdische Verstandesschulung noch durch Autosuggestion (Selbstbeeinflussung) zu erreichen.

Gerade der heute herrschende falsche Begriff über Autosuggestion wirkt sich wie eine todbringende Seuche aus, die den damit Befallenen in eine Gottesferne führt, aus der er in den seltensten Fällen zum Licht zurückfindet.

Falsch ist schon der Begriff, daß die Kraft der Beeinflussung in dem Menschen selbst liege, daß der Mensch aus eigener Kraft in der Lage sei, sich sowohl von Krankheiten zu heilen, als auch sich sein Glück selbst zu schmieden.

Es ist schon richtig, daß jeder seines Glückes Schmied ist. Aber woher nimmt er das Material zum Schmieden? Da ist schon die große Lücke, die er nie und nimmer überbrücken kann.

Die Anschauung von einer Selbstbeeinflussung steht in krassem Gegensatz zu Gott, der allein die Kraft ist, aus deren Ausstrahlung die Schöpfung erstand und mit ihr auch der Mensch. Diese Kreatur „Mensch“ aber kann nach ihrer Entstehung nur durch die göttliche Kraft auch weiterhin bestehen!

Bei dieser Erkenntnis bleibt von einer Selbstbeeinflussung aus eigener Kraft nichts übrig!

Im Gegenteil, der Mensch ist von der von Gott in die Schöpfung strömenden Kraftstrahlung in jeder Beziehung abhängig, er muß sich ihrfügen, sonst wendet sie sich gegen ihn und bringt ihn zum Sturze.

Und diese Kraft ist auch das Material, was er zum Schmieden seines Glückes braucht, ohne das er niemals glücklich werden kann.

Es ist frevelhafte Anmaßung und Dünkelhaftigkeit, den Ursprung der von Gott kommenden Kraft in den Menschen zu verlegen als ihm gehörend, sondern er ist stets abhängig von der alles durchströmenden Gotteskraft! In ihr lebt und stirbt er!

Wenn wirklich einmal ein Erfolg angeblich durch „Autosuggestion“ zu verzeichnen ist, so ist es immer geschehen durch die unbewußte Nutzbarmachung dieser Kraft, die in vielen Abspaltungen die ganze Schöpfung durchpulst!

Wie eine Antenne vermag sich der Mensch einzustellen auf diese Kraftströmungen, die wir ruhig „äußere Einflüsse“ nennen können. Für alles, was er zum Vorwärtskommen braucht, ist Hilfe da; es fließt in ihn ein in der einfachsten Weise, ohne daß es einer großen Anstrengung bedarf, und immer in der Stärke, die seiner Wunschkraft, seiner Empfindungsfähigkeit entspricht.

In der Art des Sichöffnens den aus Gott kommenden Kraftstrahlungen, die tatsächlich überall in der verschiedensten Weise geformt zu finden sind, liegt der Schlüssel zum wahren Glück!

Wie muß es der Mensch aber anfangen, mit dieser. Kraft in Verbindung zu kommen? Wie kann er sich dieser Kraft öffnen, so öffnen, daß er sie bewußt aufnimmt und um alles in der Welt dieses wissende Aufnehmen der Kraftströme nie mehr missen möchte, weil er dann erkannt hat, daß nur das bewußte Verbundensein mit ihnen sein höchstes Glück ist, wo er sich auch befinden mag in den unermeßlichen Weiten der Schöpfung?

Das sind Fragen und Wünsche, die jeder Suchende in seiner Seele bewegt und deren Erfüllung ihm auch wird in dem Maße, wie ernst und wahr er sein Suchen nimmt.

Die Sehnsucht, sich ganz von der Gotteskraft beeinflussen zu lassen, sich ihr hinzugeben mit weit geöffneter Seele, vorbehaltlos, ohne die geringsten Eigenwünsche, bringt die Erfüllung des Wunsches.

Wo diese Sehnsucht noch unter einer dünnen Decke schlummernd sich verbirgt, kann sie geweckt und gefördert werden, wo sie schon erwacht ist, kann der Mensch sie stärken und noch mehr erglühen lassen durch regelmäßige Einstellung auf die von Gott kommende Kraft im Gebet.

Aus der Gralsbotschaft Abd-ru-shins wissen wir, daß es zwei Arten von Gebeten gibt. Das Gebet, das augenblicklich aus einer aufwallenden Empfindung heraus entsteht und dann erst in Worte gefaßt werden kann, und das Gebet, bei dem zuerst Worte zusammengesetzt werden, die dann rückwirkend auf den Geist die Empfindung auslösen, und damit dem Gebet jene Richtung geben; die durch die Worte gewollt ist.

Es gibt also kurz gesagt Gebete ohne Worte und Gebete mit Worten. Die ersteren sind deshalb wertvoller, weil bei ihnen der Geist sich frei und unbeengt entfalten kann, und nicht an Worte gebunden ist, die nur unter Mitwirkung des erdgebundenen Verstandes geformt und aufgenommen werden können, dadurch eine bestimmte Einengung der Empfindung mit sich bringend.

Trotzdem können die Menschengeister während ihres Aufenthaltes in der Stofflichkeit das in Worte gekleidete Gebet nicht entbehren, weil gerade hier der Geist die mannigfachsten Eindrücke zur Höherentwickelung nötig hat, unter denen das in Worte geformte Gebet mit an erster Stelle steht.

Es ist nun nicht gleichgültig, welche Worte bei solchen Gebeten verwendet und wie sie zusammengesetzt werden. Denn auch Worte sind etwas Lebendes und Bewegendes im Schöpfungswirken.

Wie sie der Mensch gebraucht, zu Sätzen zusammenreiht, wie er sie ausspricht, so formt er sich auch einen Teil seines Schicksals!

Dies ist besonders wichtig für das Gebet, das in Worte eingeschlossen werden soll. Je mehr diese Worte im Innersten des Menschen anklingen, desto größer ist auch die Möglichkeit, die Empfindung, wachzurufen, die als eine Eigenschaft des Geistes für das Schicksal des Menschen stets einschneidend ist.

Abd-ru-shin, der Bringer der Gralsbotschaft, hat den Menschen unter anderem zwei Gebete gegeben, die in dieser Hinsicht alles erfüllen. In ihrer einfachen und daher so wirksamen Art sprechen sie sofort zur Seele.

Sie sind eine starke Hilfe für das Hervorrufen und Kräftigen jener Sehnsucht, die nötig ist für die vollständige und lückenlose Verbindung mit den helfenden und fördernden Strahlen aus der Kraft Gottes.

Diese Gebete schwingen lebendig in den Gottgesetzen, verschaffen jedem ehrlich Wollenden Erleichterung und Hilfe und sind daher keinesfalls mit den sonst üblichen Formgebeten zu vergleichen! Wer sie hersagen will, ohne dabei zu versuchen, die Worte innerlich nachzuempfinden, wird keinen Segen davon haben.

Wie leicht aber muß es um einen Menschengeist werden, wie befreit wird er sich fühlen und welche Fülle himmlischen Segens wird auf ihn niederströmen, wenn er sich so ganz den Worten hingibt, die Abd-ru-shin in dem Morgengebet der Menschheit schenkte!

„Dein bin ich, Herr! Mein Leben soll nur Dir zum Danke sein. O nimm dies Wollen gnädig an und schenke mir dazu auch diesen Tag die Hilfe Deiner Kraft!“

Wer diese Worte in sich aufnimmt, sie lebendig nachempfindet, dessen Tagewerk ist gesegnet vom frühen Morgen bis zum späten Abend, sie werden immerfort in ihm erklingen wie leises Mahnen oder stilles, frohes Glück.

Es wogt und webt in diesen Worten heilige Gotteskraft, und wer die Worte mit dem Geiste in. sich aufnimmt, der nimmt auch die Kraft mit auf. Sie allein gibt ihm die Möglichkeit, zum Danke für den Schöpfer nur zu leben.

Es wird nicht immer gleich gelingen, durch dieses Gebet Verbindung mit der Gotteskraft zu erhalten, weil es immer auf die Tiefe der Empfindung ankommt, mit der es erlebt wird. Aber wie schwach eine solche auch zuerst sein mag, in andauerndem Erwecken wird sie doch zuletzt so stark und sieghaft, daß sie den Weg frei gibt für das beglückende Erleben der Wunderkraft aus dem Lebensborn des Schöpfers.

Da kann der Schwächste in kurzer Zeit zu voller Stärke sich entfalten, wenn er nicht nachläßt in dem regelmäßigen Nachempfinden dieser wunderbaren Worte.

So begonnen hat die Morgenstunde Gold im Munde Es ist das Gold in diesem Falle ein geistiger Wert, der für die Ewigkeit gilt, allerdings auf Erden dann ganz naturgemäß auch irdische Werte mit sich bringt.

Wie am Morgen und am Tage, so steht auch am Abend dieselbe Kraft bereit zur Verbindung mit dem Menschen, wenn er sie herbeisehnt. Auch hier gab Abd-ru-shin den Menschen eine große Hilfe in dem Abendgebet.

„Herr, der Du über allen Welten thronest, ich bitte Dich, laß mich die Nacht in Deiner Gnade ruhen!“

Wie erquickend; erfrischend und beruhigend wird der Schlaf auf einen Menschen wirken; der das Erleben dieses Gebetes mit hinüber nimmt in eine andere Welt, in eine Traumwelt, die aber keine solche ist, sondern nur so erscheint, weil sie nicht mit irdischen Sinnen wahrzunehmen ist. Wir nennen sie deshalb übersinnlich und jeder Menschengeist kann ihre Schwelle überschreiten, wenn das grobstoffliche Gehirn durch den Schlaf ausgeschaltet bleibt, stillgelegt wird.

Dazu will das Abendgebet verhelfen. Der Menschengeist kann während des Schlafes noch viel inniger und nachhaltiger mit den verschiedensten Kraftströmungen in Berührung kommen und sogar geistige Warnungen, Mahnungen oder plötzliche Lösungen irgendwelcher Fragen und Probleme erhalten.

So sieht in Wirklichkeit die Nachtruhe aus. Das grobstoffliche Gehirn, das den Verstand hervorbringt, schläft, aber der Geist ist wach und gibt sich selig den stärkenden Einflüssen hin, wenn sich nicht übertriebene Verstandestätigkeit störend und hemmend bemerkbar macht.

Dieses zu verhindern und vollständig auszuschalten, gibt das tiefe Nachempfinden des Abendgebetes die Möglichkeit.

Die Menschen ahnen nicht, daß diese Gebete weit mehr als Worte sind, daß sie Leben in sich bergen, einen erfrischenden Quell lebendigen Wassers, den man nur anzuschlagen braucht, um daraus zu trinken und dann gesund zu werden an Leib und Seele; von Grund auf.

Solche Gebete sind unschätzbare Hilfen für die Menschheit; sie haben vor allem aber den Vorteil, daß sie jeder erwachende Menschengeist, auch der Ärmste unter ihnen benützen kann, um sich geistig und irdisch emporzuarbeiten zu einer bisher nie gekannten Höhe, wo er das findet, was alle wahrhaft Suchenden schon lange sich ersehnten: „Das höchste Glück“, das gleichbedeutend ist mit der Erfüllung des Gelöbnisses:

„Dein bin Ich, Herr! Mein Leben soll nur Dir zum Danke sein!“

de/stimme/heft_6/was_ist_gluck.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/17 22:27 von Marek Ištvánek