Abd-ru-shin

Oskar Ernst Bernhardt

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de:stimme:heft_6:nomen_est_omen

„Nomen est Omen.“

von Hermann Wenng

So sprach der Lateiner: Name ist Vorbedeutung. Er drückte damit eine Empfindung aus, die eigentlich jeder Mensch dem „Namen“ gegenüber hat, ohne sich dessen klar bewußt zu werden.

Es ist ihm eigentlich ganz und gar nicht gleichgiltig, wie er von seinen Mitmenschen genannt wird, ohne daß es ihm so recht klar wird, was es mit dem „Namen“ auf sich hat und warum ihm dieser vertraut klingt. Er denkt nicht darüber nach, warum er sich in ihm gewissermaßen wohl fühlt, wie etwa in einem Anzug, der ihm gut paßt, wie in einem Kleid, dessen Farbe und Art ihm besonders entspricht.

Ein „Konrad“ wird sich kaum vorstellen können, daß man ihn „August“ nenne und eine „Mathilde“ wird wohl in den meisten Fällen energisch dagegen protestieren, daß sie etwa „Gertrud“ genannt werde, wie denn „Wilhelm“ eben wieder nur mit diesem Namen oder höchstens mit Ableitungen von diesem zufrieden sein wird.

Jedenfalls wird ein jeder an sich feststellen können, daß ihm sein Name „angewachsen“ ist, und wenn er doch einmal einen anderen annimmt, so hat er das Gefühl und meistens auch von vornherein die Absicht, sich dahinter zu verbergen - sich unerkannt zu wissen.

Die wenigen Fälle, in denen ein Mensch seinen Namen nicht „leiden“ kann, sprechen nicht gegen die Wichtigkeit, die man dem Namen beimißt, sondern dafür! Denn hier tritt das Empfindungsmäßige noch viel deutlicher hervor, als in dem gewöhnlichen Falle des Anerkennens.

Diese unbestreitbare Tatsache der Sympathie oder Antipathie gegen den eigenen Namen (gegen die Namen anderer glaubt man meistens neutral zu sein, obwohl auch hier Zu- und Abneigung einem gehörten Namen gegenüber sofort deutlich bewußt werden) wird nun kurzerhand so erklärt, daß man „ihn“ eben von Jugend auf so gewohnt sei - und Gewohnheit sei ein eisern Hemd.

Gegen diese Auffassung spricht aber, wie schon erwähnt, klar und deutlich die Empfindung des Widerwillens gegen Namen, wie auch die besondere Vorliebe, die manche für bestimmte Namen haben. Frauen treiben ja oft einen wahren Kult mit Namen! Männer sind dem weniger unterworfen, er aber, der Mann ist auch weit weniger Gemüts - und Empfindungsmensch als das Weib. Trotzdem ist es einem „Franz“ ganz gewiß nicht sympathisch, sich „Karl“ nennen zu hören. Mit dem Geschlechternamen (Vatersnamen) ist dies alles noch viel deutlicher! Es ist ganz eigentümlich, welchen Wert der Mensch auf seinen Familiennamen legt, wie er sich, je älter er wird, desto deutlicher dafür oder dagegen einstellt!

Sonderbarerweise aber ist es noch keinem Menschen dabei eingefallen, einmal darüber nachzudenken, was es denn eigentlich nun damit auf sich haben könnte, was eigentlich an dem „Namen“ sei. Man begnügt sich damit, daß es eben ein Unterscheidungszeichen zwischen den einzelnen Menschen geben müsse, ein Erkennungszeichen, daran man ihn erkennen könne, und findet es völlig in der Ordnung, daß der Staat einen sehr großen Wert auf den Namen legen müsse aus nun, aus praktischen Gründen.

Wenn man aber einem „fremden“, noch nicht bekannten Menschen, gegenübertritt, so ist niemand zufrieden, ehe er nicht den Namen des anderen weiß. Man glaubt dann auf einmal, diesen auch schon zu kennen, ihn erkannt zu haben; er ist dem, dem er genannt wird, oft schon ganz vertraut. Die Fremdheit, die sich erst wie eine Mauer zwischen die beiden schob, ist großenteils gewichen!

Und dennoch weiß man von dem „Andern“ eigentlich noch gar nichts, als daß man eine „Hildegard Müller“ oder einen „Max Meier“ vor sich hat, was doch eigentlich, rein verstandlich gesehen, so viel wie nichts ist - oder doch? Ist es doch etwas mehr als nichts?

Das Gefühl, die Empfindung spricht jedenfalls nicht von einem Nichts, sondern von einer ganzen Menge! Es ist so, als ob mit der Nennung des Namens plötzlich blitzartig ein Schleier von dem fremden Gesicht fällt. Man meint empfindungsgemäß sofort das Gegenüber nun völlig zu kennen.

Dann aber schiebt sich wieder etwas dazwischen - nämlich der Verstand. Die Unsicherheit setzt ein, das erste Gefühl des Wissens vom Anderen wird wieder verschleiert, obwohl immer noch ein ganz Bedeutendes zurückbleibt. Man meint nun dennoch, das Vis-à-vis zu kennen, meint, daß sich dieses mit Nennung des Namens zu erkennen gegeben habe.

Das Wissen darum, daß man nun imstande sei, sich bei den Behörden nach den äußeren Umständen des Trägers dieses Namens zu erkundigen, ist es aber nicht, welches dieses Gefühl größerer Sicherheit auslöst, denn man wird dies ja überhaupt nicht tun oder doch nur unter ganz besonderen Umständen, sondern es ist ein tatsächliches Vertrautsein, das durch das Wissen um den Namen ausgelöst wird.

Es dürfte somit bei näherem Eingehen und bei Selbstprüfung über diesen Gegenstand einem jeden klar werden, daß es sich bei dem „Namen“ doch um etwas ganz anderes handeln müsse als um ein bloßes Unterscheidungszeichen, daß es eine eminent lebendige Sache ist und der Ausspruch des Lateiners „Nomen est Omen“ etwas auf sich hat. Die rein verstandliche Aufklärung hat dies Ahnen, das in dem Namen liegen soll, in das Gebiet des Aberglaubens verwiesen, ohne jedoch imstande zu sein, auch nur das Geringste über die vorgeschilderten, unleugbaren „Wirkungen“ des Namens aussagen zu können.

Das Dunkel, das für den menschlichen Verstand über alledem liegt, wird darum nicht aufgeklärt, sondern es wird eine wichtige Erscheinung des Lebens und Seins einfach beiseite geschoben.

Und doch wären handgreifliche Beweise für den Wert des Namens in großer Zahl sofort zu finden, wenn man sie sehen will, wenn nicht böser Wille und Rechthaberei sich absichtlich dagegen verschlösse! Wohl geht ein Ahnen von der großen Bedeutung des Namens noch durch das „gewöhnliche Volk“, durch den Teil der Menschheit, dessen natürliches Empfinden nicht durch die Verstandes-Gelehrsamkeit verdorben und verbogen wurde. Vielen Künstlern namentlich ist es durchaus nicht gleichgiltig, wie sie sich „nennen“; denn sie empfinden stärker als andere Menschen und so ist es ihnen auch stärker bewußt, daß Glück und Unglück an dem Namen „hängt“, sich in ihm ausdrückt, ja, die ganze Wesenheit sich in ihm kundgibt.

Dennoch ist auch diesen das Ganze nicht erklärlich, sondern alles in Dunkel gehüllt, aber ihnen als Empfindungsmenschen ist mehr als anderen Menschen der Name Vorbedeutung!

Und wieviel Hinweise auf des Namens Bedeutung sind überall zu finden! Man sehe nur einmal die Bibel ernstlich daraufhin an, so wird man staunen, was aus ihr für die Namensgebung Bedeutendes zu lesen ist!

Warum geben denn, um es als Wichtigstes und Erstes zu nennen, die Engel, als Verkünder göttlicher Botschaft, die den Herrn und Johannes verkündeten, die Namen an? Warum sagen sie: „Du sollst ihn „Jesus“ nennen? “ Warum mußte wohl Johannes gerade Johannes heißen, wenn es gleichgiltig wäre, wie ein Mensch genannt wird? Im Sinne des Erdenlebens war ja auch Christus Jesus Mensch. Es mußte Johannes eben Johannes heißen und nicht „Jochanaan“ wie der Name hebräisch lautete, weil es eben ein „Johannes“ und kein „Jochanaan“ war! Nicht nur heißen sollte er so, sondern er war es!

Glaubt man denn, daß der Herr hätte anders genannt werden können als „Jesus“? Er konnte nicht anders heißen; denn in diesem Namen drückt sich aus, was er als Mensch erleben sollte, ja - erleiden. Es sei hier nebenbei erwähnt, daß es sonderbar anmutet, daß niemandem auffällt, daß der Herr eben „Jesus“ genannt ward und nicht „Imanuel“, daß „Jesus“ also nicht „Imanuel“ sein kann.

Es ist jedem Menschen völlig in Fleisch und Blut übergegangen, daß der Verräter des Herrn „Judas ist und nicht einen anderen Namen trägt. Dies ist nur darum so eindringlich geworden und so selbstverständlich, weil eben nur in diesem Namen die Möglichkeit des Verrates liegt und in keinem anderen, weil einem anderen die Wesenheit dazu gefehlt hätte.

In den Menschen jener Zeit war noch eine Ahnung von der Art und dem Wesen des Namens, nun aber ist das Wissen über ihn gänzlich erloschen. Niemand weiß mehr seine Eigenart zu deuten, niemand weiß mehr über ihn etwas zu sagen. Ein altes Wissen, das einst die Menschheit besaß, war verloren gegangen. Erst jetzt brachte die „Botschaft Abd-ru-shins“, wie über so vieles Lebenswichtige, auch über ihn wieder Wissen und Klarheit. Nun wissen wir wieder, daß der Name nichts „Zufälliges“ ist in der Bedeutung des Wortes, wie sie jetzt geläufig ist. Zufall ist eben etwas, das einem Menschen „zufällt“, womit aber nicht gesagt ist, daß es Willkür sei, was da geschieht.

Wir wissen nun wieder, daß der Name etwas Erworbenes ist, daß er in Klang und Farbe genau dem Wesen und aus diesem wachsend auch dem Schicksal dessen entspricht, der ihn trägt, daß er ihn sich erworben hat in einem Leben auf Erden, in dem er diesen Namen nicht trug. Wir wissen wieder, daß der Name dem Menschen mitgegeben ist in das Leben, von göttlicher Weisheit, daß er ihm sogar werden mußte aus seinem eigenen Wollen und Tun, seinem Erleben in seiner Vorzeit Tagen, daß er dem Menschen eine Mahnung sei, eine Warnung manchmal, aber immer auch eine Verheißung.

Er ist ihm wie die innere Stimme, die zu ihm spricht, wie die Führung, die ihn einen bestimmten Weg führt, daß ihm auf diesem Wege begegne, was ihm begegnen muß, daß in des Gesetzes Harmonie gelöst werde, was einst unharmonisch geendet. Immer wird dem Menschen wieder begegnen müssen, was einen Fehler in sich trägt, was dem Gesetze zuwider gewesen; es können die Fäden nicht eher abfallen, nicht eher sich von ihm lösen, ehe nicht dem Gesetze Genüge getan.

Über dies alles, über sein Sein und Wesen, über seine Aufgabe im Leben, über alles, was ihm begegnen kann und wird, daß er sich mit ihm auseinandersetze nach dem Gesetz, über alles dies gibt dem Menschen sein Name „Auskunft“! Es ist der Name des Menschen ja nichts außer ihm, sondern in ihm, er selbst ist es, der zu sich selbst spricht, was der Name, den er trägt, zu ihm redet.

Dies geht hervor aus dem, was der allein in Wahrheit Wissende unter uns Menschen uns kündete über den Namen. Die es noch nicht aufgenommen haben, mögen sich in Ruhe überlegen, daß alles Lebende, alle Dinge Strahlen aussenden, teils reflektierte, erborgte, teils eigene. Dies weiß sogar die Wissenschaft, die nur Erwiesenes glaubt. Ein wenig weiter wird sie wissen, daß alles Leben überhaupt nur Strahlung ist, Form, Bild gewordene Strahlung. Alles wirkt aufeinander durch Strahlen, die es aussendet, nicht anders, und diese können wiederum nicht anders sein, als das Sendende selbst ist, dieselbe Schwingung, dieselbe Farbe, jeder Strahl wie ein Teil des Sendenden, in ihrer Gesamtheit das Bild des Ganzen.

Der Mensch aber - so ist es nach Abd-ru-shin - ist geartet wie ein Kristall, ein Umforme-Apparat, der die ihm zuströmenden Kräfte-Strahlungen umformt und ihnen ganz gesetzmäßig einen dem Empfangenen möglichst gleichkommenden Ausdruck, irdisch sichtbar und hörbar, verleiht.

So wird es klar sein, daß die Eltern des werdenden Kindes, die dem zu inkarnierenden Geiste eines Menschen zur Brücke in dieses Erdenleben werden, nach einem Namen suchen müssen, der die Schwingung, die sie von ihm empfangen, möglichst getreu wiedergibt und, wo einer dazu nicht genügt, werden es mehrere sein, wozu oft die ganze Verwandtschaft ihre Namen leihen muß, die in ihrer Mischung sodann den Klang und die Farbe haben, die dem neuen Mitglied dieses Familien-Namens zukommt!

Dies ist, kurz gesagt, der innere Vorgang bei der Namensgebung, die ebenso gesetzmäßig erfolgt wie die Bildung der Sprache des Menschen überhaupt, im Laufe derer der Mensch jedem Ding den Namen geben mußte, der ihm gesetzmäßig zukommt und die innere Wesenheit eines jeden in Bezug auf den Menschen und seine Eigenart widerspiegelt.

Schwerlich vermag der Verstand zu begreifen und zu durchdringen die Wunderwerke göttlicher Schöpfung. Was über die Erde hinausragt und einen Teil seines Werdens in Sphären hat, die anders sind, leichter, beweglicher als der Erde harter Stoff, in den der Geist des Menschen hier gebettet ist, vermag auch nur annähernd die Empfindung zu begreifen, die dem Menschen gegeben ward als die Verbindung mit den Teilen des Seins, die mit den gröberen Sinnen nicht zu erfassen sind.

Eines dieser Wunderwerke der Schöpfung und nicht das Kleinste - ist die Namensgebung des Menschen, seine Sprache, die dieser Namensgebung entstammt. Der Schlüssel zu jeglichem Namen, in welcher Sprache er auch immer gegeben sei, ist die deutsche Sprache, die geschaffen ward von berufenen Geistern, daß in ihr verkündet werde, was der letzte Wahrheitsbringer - denn es wird kein anderer mehr nach ihm kommen - dem Menschengeschlechte zu künden hat! Eine Sprache mußte dies ja sein, nicht alle zugleich konnten dazu ausersehen werden. Nun es die deutsche Sprache wurde, so ist auch Deutsch der Schlüssel!

Ein jedes Zeichen, gesetzmäßig geworden nach dem schwingenden Laut, die Schwingung in den einfachen Linien der lateinischen Druckbuchstaben sichtbar dem Auge wiedergebend, drückt in jeder Sprache den gleichen Begriff aus. Den geistigen als höchsten Begriff zuerst, denn der Geist ist es, der da lebt und nicht die Erde und das Erdgebundene.

In jeder Sprache bedeutet der Laut, das Zeichen, den Laut wiedergebend, das Gleiche! Ob auch das Wort, in dem es vorkommt, einen anderen Sinn hat in jener Sprache, welcher ein Name angehört, es drückt das Zeichen doch immer den Begriff aus, den die deutsche Sprache ihm beilegt Dafür sind tausend Beispiele anzuführen, die jeder Verstand zu begreifen vermag, der nicht verbogen ist und böswillig. Es wird mitgeteilt, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Für jetzt mag diese Anregung jedem genügen, einmal über seinen eigenen Namen nachzudenken, zu versuchen, seine Laute und Zeichen bewußt zu empfinden; Gewiß wird er, ob Weib oder Mann, gewahr werden, daß sein Name ihm, gerade ihm, etwas ganz Besonderes zu sagen habe. Es wird ihm eine Ahnung kommen, daß dem Namen für ihn ein ganz besonderer Sinn innewohnt, daß des Namens Zeichen die Sterne sind, von denen der Dichter ahnend spricht, daß sie in seiner eigenen Brust wohnen und die sein Schicksal sind, sein eigener Wille.

Kein Kismet, dem nicht zu entrinnen - ist, sondern der Name ist dem Menschen gegeben von göttlicher Weisheit, daß er ihn überwinde, daß er in ihm sich selbst besiege, über ihn hinauswachse in diesem Erdenleben, um sich einen anderen zu erwerben, der höher ist denn dieser! Es ist ja das „Esse“ des Menschen, sein Sein, eine veränderliche Größe, keine feststehende. Er kann sich ändern, nichts ist nötig zu dieser Änderung als ein fester Willensentschluß.

Nun ist die Zeit, da alles lebendig wird, was in die Namen geschrieben werden mußte. Alles dies, das in dem Menschen ruht, gleich, als ob es schliefe den Todesschlaf, muß lebendig werden, Gutes wie Schlimmes! Das Gute, daß es gestärkt werde und große Früchte bringe, das Schlimme, daß es erkannt werde zu rechter Zeit und falle ab im Gericht bei der großen Reinigung!

Der aber Hilfe möchte, der zu wissen wünscht, was sein Name ihm zu sagen hat, kann es erfahren durch das Wissen, das die Menschheit besaß vor vielen Erdenzeiten. 1)

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Anfragen darüber leiten wir gerne an die zuständige Stelle weiter. Interessenten wollen alle ihre Vornamen, Rufname besonders bezeichnet, Geburtsdatum und Ort der Geburt angeben.
Die Redaktion.
de/stimme/heft_6/nomen_est_omen.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/17 22:33 von Marek Ištvánek