Abd-ru-shin

Oskar Ernst Bernhardt

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de:stimme:heft_3:is-ma-el_als_wegbereiter_fur_den_geist_der_wahrheit_durch_die_sieben_weltenteile_der_schopfung

Is-ma-el als Wegbereiter für den Geist der Wahrheit durch die sieben Weltenteile der Schöpfung.

(2. Fortsetzung)

Nun bereitet sich zu den Füßen des Geschaffenen das lichte Feld seiner Saaten. Nun schauet er hinab in die wogenden Gärten der Kinder seines Namens und streuet die Liebe in die Fäden seines dienenden Schaffens, auf daß sie dieselbe erleben in seiner Weise, in der Liebe zum Herrn.

Balsamisch atmen die Lüfte des Paradieses empor, wie Weihrauch um die Insel der ewigen Stammväter des Menschengeistes. Urlichtskraft strahlt durch die kristallenen Stufen von oben hinab zu ihnen, die wieder anbetend den Duft ihres Webens, Wollens und Gebens in die höheren Sphären senden, in Anbetung des Herrn.

Wirksam als ihr Vater, leitend und führend, schreitet Is-ma-el durch die Pforten der ewigen Gärten in die erste Stufe der Paradiese, um seinen Stamm zu segnen.

Weit, wie ein mächtiger Baum, breitet er Äste und Wurzeln aus, hinab in die Sphären der Nachschöpfung, und unzählbar ist die Schar der Geistflammen, die an ihnen hangen.

Menschengeister, rüttelt die Verantwortung nicht an Euren Seelen?

Entwickelnd, fordernd und aussendend wirkte das große Urvaterprinzip nach dem Stoffe. Das war Is-ma-els Tat nach abwärts in die Schöpfung!

Sein Leben aber und sein Dienen galt immerdar dem Herrn, und er legte an die Stufen des Altares zu Patmos den leuchtend geschmiedeten Geistring seiner Treue mit dem lichtklaren Kristall, den er zu Smyrna dem Herrn errungen.

Dieses war das erste Vollenden seiner Aufgabe im Stoffe! –


Es ist ein Silberlicht von reiner Kühle, das aus ,den heiligen Quellen Gottes fließet. Irmingard spendet sie, die Reine Lilie, und die Kraft ihrer Gottesreinheit verankert sich im Heiligen Gral in Irmingard. Irmingard, die ganz in dem Sein Parzivals lebet, dienend in Treue dem Heiligen Gral !

Silberweiß leuchtet der Strahl, der aus dem Heiligen Gral ihr Form gegeben durch Urmutters Liebe. Und kühl und weiß und silberrein leuchtend ist und bleibet alles aus ihr und um sie her.

Sie hebt sich fern und rein über alles Urgeschaffene empor, strahlt aus all seiner leuchtenden, kraftvollen, unbeschreiblich vielgestaltigen Fülle. Und die Kraft ihrer Reinheit pulst in lebendigem, leuchtendem Willensstrom auf die blühenden Gärten der Lilie nieder durch den Tempel der Reinheit. Hier sammelt sich nochmals in der Urschöpfung das kristallklare Licht Irmingards im Urzustande, in die kristallklare Schale aus der Urwesenheit Stoff.

Hier strömt sie aus in das Paradies der Nachschöpfung und wird von den aufflammenden Geistern zu Patmos empfangen, die sich die Mütter heißen dürfen nach dem heiligen Gesetz des Willens. Sie stehen im Strahl des Erkennens und an dem Rande des Stromes, der Gottesreinheit birgt. Sie vermögen sie aufzunehmen.

Sie dienen ihr im Sein; denn in all ihrem Weben liegt absolute Reinheit.

So rauscht und fließt das Wort herab, das aufgenommen werde von dem Geist im Stoff. Das Wort des Geschaffenen aus der Weisheit des Urewigen Reiches. Lichtkreise um Lichtkreise bewegen sich aus ihm nach außen, nach abwärts, und was Lichtes Willen formend schuf, sinket nieder in die Stofflichkeit der Nachschöpfung. So auch jene geheiligte kristallklare Kraft der Reinheit. –


In singendem, wie Windesrauschen wehendem Atem kreiset eine lichte Weltensphäre in der Stofflichkeit der Nachschöpfung.

Es ist dem Menschen nicht ermöglicht, mit der verstandlichen Orientierungsgabe sich einen Weg durch jenes große, gewaltige Schöpfungskreisen zu denken. Hier vermag nur die Anziehung der gleichgearteten Kräfte hin zu lenken, und weil dies lichte Reich, das ein unermeßliches Sonnenreich zu nennen ist, so rein und leicht ist, vermögen nur solche Geister hin zu gelangen, die sich mit seiner reinen Stofflichkeit zu umkleiden vermögen.

Durch das Bewegen in dem lichten Strahlungsreiche Thyatira, dessen wundersame kosmische Kräfte eine einzige feine Art der Elemente erzeugen, entstehen jene Strahlenchöre des kosmischen Orgelspieles, das nirgends so paradiesvollendet klingt, als in dem Weltenteile Thyatira.

Er birgt in sich eine Zahlenfülle herrlicher Lichtsonnen, um deren Körper feinerer, feuriggasiger Substanzen Planeten kreisen, die von ihren Strahlen festgehalten sind und sich im bewegenden heiligen Werden der Schöpfung mit Wundern an Schönheit schmücken.

Wundersam warme, sprudelnde Quellen fließen auf diesen Weltenkörpern, die auch zum Teil aus Wasser, aber auch aus festeren Stoffen bestehen, aus welchen sich das Leben entwickeln kann, und eine große Anzahl luftigwässeriger Wesenheiten schwingen durch diese Welten und deren Umhüllungen. Die Umhüllungen dieser Weltenkörper sind jeweils das, was auf Erden als Atmosphäre bekannt ist. Sie sind die Ausatmung der Körper, mit denen sie um sich selbst und um die Sonne kreisen. Die Sonne aber beschreibt wieder eine ungeheuer große Bahn, obwohl sie dem Irdischen als feststehend erscheint.

Mit irdischem Verstande und Aufnahmevermögen ist dies Getriebe der strahlenden Weltenbahnen kaum zu erfassen; nie aber wäre es im Gesamteindruck zu ertragen.

Unausdenkbar aber ist es, sich von oben gesehen in ein Kleines dort zu versenken, sich ein Einzeldasein vorzustellen, und dennoch ist es auch hier der Fall.

Wie jene Wesenhaften in der Atmosphäre schon wirksam erkenntlich sind, so sind sie es in allem, und wieder und wieder andersartig, je nach ihrer Aufgabe auch in Wasser und Feste.

Die Feste ist das, was den Erdenmenschen als „Erde“ bekannt ist. Sie setzt sich, wie zu Ephesus und auf dem Planeten Erde; auch zu Thyatira in ganz verschiedenartige Bestandteile um. Aber ihre Strahlungskraft und Dichte, ihre Farbe und Masse ist völlig davon unterschieden und der irdische Begriff davon kann nur umschrieben, aber nicht mehr genannt werden. –

Während die Dichten zu Smyrna feinen, seidigen Stoffen gleichen, sind sie zu Thyatira Kristallen gleich; von einer Weichheit wie Gelatine. Dieser Zartheit, Feinheit und Leichtigkeit entsprechend sind natürlich auch alle Wesen, die sich dort entwickeln und bewegen können. Schweres, Dichteres ertrüge nicht die durchdringenden Strahlungsspannungen und die Bewegung der Lüfte.

Es ist darum schwer für Erdenmenschen, mitzudenken, mitzugehen in den Verhältnissen, die dort entstanden sind, weil ihre derzeitige Art nicht den Begriff zu erfassen vermag und keine Worte dafür hat. So stellt sich der Mensch immer wieder alles irdisch, im Sinne des „Erdigen“ vor.

Es gibt nicht viele Gestirne dort, auf denen sich Menschenarten befinden und Tierarten, die der jeweiligen Art entsprechend zu dem Menschen passen. Man kann nur wenige Sterne als kühl genug und als dicht genug betrachten und zu den bevölkerten zählen. Dafür aber sind sie reich umwoben von wesenhaftem Leben, und darum auch so überirdisch rein und schön.

Es sind da keine grellen, harten Farben. Alles Licht und alle Dichte ist auf zartes Blau, auf Grün, auf Silberlicht gestimmt. Die Blumen, die zur Hauptsache schönen Kristallformen und Sternen gleichen, sind sehr groß. Die Bäume wie Verästelungen großer Seenelken anzusehen, sie wiegen und schmiegen sich in den bewegten Lüften.

Es ist immer Bewegung, fließende, leuchtende, sprudelklare Bewegung zu Thyatira.

Auch hier sind die wesenhaften Führer der Elemente und die Scharen ihrer Luft- und Wasserrosse so zart, wie fließend, schäumend und wild. Auch hier thront der Höchste davon auf seinem Walberg, wohin er sie alle versammelt, um Gotteskraft empfangend die Welten ihrer Art entsprechend zu hegen.

Es webt und lebt und erfüllt, und würde es auch tun ohne den Menschengeist, der gleich ihm vom Vater des Lichtes aus Gnade wandern darf in diesem Teil der Schöpfung. –


Um ihn, den Menschengeist, dort zu erkennen, zu leiten und an ihm zu lernen, ward Is-ma-el hinabgesenkt und zog, die Hülle wählend, über diese Welten hin, besah all die lichte Schönheit in der Schöpfung Thyatira und wanderte von Stern zu Stern, aufnehmend und erlebend das Weben dieses Weltenteiles.

In wundersame Lichtstrudel der Feinstofflichkeit geriet er da, mit seinem feinstumhüllten Geist, der strahlend aus der Hülle sah. Er durfte es auch; denn rein war dieses Reich, wie ein sprudelnder Quell aus den Gärten der Reinen Lilie.

Die Geister hatten sich längst entfaltet zu Thyatira. Is-ma-el konnte ihre Flammen sehen, die mühelos die lichten Hüllen durchstrahlten. Es war. wie ein zauberhaftes Bild von bunten Ampeln, die durch tanzende Wogen weben, wenn er von oben auf die bevölkerten Sterne sah.

Die Strahlen werdender Mütter flammten hoch empor, anders als es in den Welten der dichteren Stofflichkeit geschieht, und mancher Geistgeschaffene und manches Lichtweib ward aus jener Ebene, darin sich Is-ma-el befand, herangezogen in den Strahlungskreis eines gleichgearteten Geistes in der Stofflichkeit.

Is-ma-el sah da die Begebenheiten der Inkarnierung, die bei den reinen Frauen zu Thyatira gleich einem Einweihungsdienste, einer hohen Andacht vor sich gingen. Die Reinheit des Empfangens dieser Frauen zog ihn in die Nähe ihres höchsten lichtgeweihten Tempels. Sie alle waren Dienerinnen Irmingards.

Mit hellschauendem Geist begabt empfingen sie das Licht der Lilie, die sie als Blume auf dem Altar der Reinheit ehrten.

Oben aber über dem Tempel sahen sie das ewige Kreuz erstrahlen. Dieses war für sie der Begriff des Vollendeten.

„ER“ nannten sie den Herrn.

Die Sternengruppen und Planetensonnen 1) zu Thyatira zogen ihre wundersam brausenden Kreise durch den Kosmos. Sie bewirkten Lichtphasen von märchenhafter Wirksamkeit auf die benachbarten Gestirne, sandten rhythmische Strahlungsbündel durch den Kosmos und beeinflußten durch ihre ausstrahlenden Kräfte alles Lebendige auf den Gestirnen.

Sie bewirkten ein Leben solcher Kraft, Frische und Reinheit, daß den Geistern, die in den feinstofflichen Ebenen alles Werden übersahen und die Entwickelung in den Stoff und seine Dichte erschauten, freudiges Erinnern an die seligen Gärten der Lichtheimat erwuchs.

Sie gewahrten wie unter des Herrn ewigem Gesetz sich das Leben immer herrlicher gestaltete, rein und voll Freude war für alle Kreatur. Und sie lobten den Herrn und sein heiliges Gesetz.

In einen solchen Strahlungsring seliger Geister ward auch Is-ma-el angezogen,. da sie durch ihr leuchtendes Sein Boden gaben, dem auch er sich zu nahen vermochte.

Es war ein besonderes Leben. dort, wie ein Sammelpunkt der Wesenhaften, die alle ihre lebendig gewobenen Fäden zu wundervollem Wirken brachten.

Da bauten sich die lieblichen Gärten und Gegenden, vorauswirkend in die Feinstofflichkeit, da gedieh Same auf Same des Werdens und breitete sich fruchttragend in Schönheit aus. Aus der Stofflichkeit des Erschaffenen aber griffen flammende Fäden einer feinen, stofflichen Ausstrahlung, die sich mit der höhergearteten Kraft zu vermählen schienen und in sich aufnahmen, was sie an Fülle gaben.

Es war ein Lichtfarbenspiel im feinen Stoffe, das dem sich herabsenkenden Geiste die Augen labte. Und immer mehr befähigten sie ihn, diese zarten Umhüllungen hinabzutauchen und wie von einem Strome feiner Strahlen angezogen zu werden.

In diesem Stadium gewahrte sich Is-ma-el über einem schönen Lande, über der Kuppe eines goldgrünen Hügels, auf dem sich weite, weiße Bauten erhoben.

Es lebte dort stofflich Lieblichstes in Reinheit und Freude und diente anbetend in dem Tempel des Höchsten. Er ragte noch mit seinem goldflammenden Kreuze weit in die luftigen Wolken hinein, die milde, aber bewegte Winde wie Schleier um ihn jagten.

Ihm zur Seite schmiegte sich die wundersam grünlich schimmernde, durchsichtige Tempelhalle der Lilie, die der Reinheit Tempel war. In ihr dienten die lieblichen, sonnenleuchtenden Frauen mit den tiefsilberblauen unergründlichen Augen, den weichen, schwebenden Bewegungen und der kindlich reinen Hingabe ihres ganzen anmutvollen Seins.

Sie waren die Priesterinnen, die um die höchste Priesterin der Reinheit: „Thaisis“, lebten. Diese war zugleich die Führerin der Frauen und eine schauende, weise Magd des Lichtes.

Is-ma-el nahte ihr; denn sie war seines Wesens zweites Sein. Seine Ergänzung im Geiste. Und ihre flammende Hülle zog den Geist Is-ma-el machtvoll an den Stoff.

Lieblich klangen die Stimmen der wohlgeübten Sängerinnen, die das Lied dem Bewegen lichter Kosmosstrahlen abzulauschen schienen. Reich und voll klangen auch die Saiten ihrer Instrumente, die wie kleine Leiern aus weichem Holze waren. Der Dienst der Priesterinnen bestand nicht nur in den anbetenden Feiern, sondern er erfüllte ihr ganzes Sein im Stoffe.

Sie wurden auf ihre eigene Bitte hin von Thaisis geweiht, nachdem sie aus den heiligen Lichtworten, die nur die Priesterin empfing, zum Tempeldienst aus dem Lichte gerufen waren.

Zuvor waren sie nur Schülerinnen, Mägdlein von auserlesener Schönheit und Vollkommenheit der Veranlagung. die hierzu zugelassen wurden. Die Tempelschule der Reinheit war der Hauptstützpunkt der Weiblichkeit zu Thyatira, und jener große Lichtkörper, der sie trug, und der denselben Namen hatte wie der ganze Weltenteil, war die Krone dieses Schöpfungsteiles für die dort inkarnierten Geister.

Sie wußten, sobald sie im Stoffe waren, auch nicht mehr von dem Wandel ihres früheren Seins. Hierzu wurden sie erst in dem Erleben ihres Weltdurchwanderns langsam fähig, um als bewußte Geister wieder das Fleisch zu verlassen und in lichteren Reichen zu erwachen.

Die Priesterinnen verblieben in dem Tempel, während die anderen, nicht geweihten Jungfrauen, in die Gärten der weltlichen Helferinnen eingeordnet wurden. Sie verblieben dort, bis sie einem Manne gegeben wurden, dessen Heim sie dann bezogen. Dennoch behielten sie aber einen Teil ihrer dienenden Arbeit bei, die für sie immer der schönste Zweck ihres Daseins blieb.

Die Fähigkeiten des Verdichtens der Töne durch Gesang und Saitenspiel oder durch Wort und Flechtarbeit wurden hier geübt. Es gab gar viele Zweige der Kunst und Weisheit in der Tempelschule, die Thaisis aus reinem Urquell schöpfte und reinen, lehrenden Schwestern übermitteln durfte.

Groß und umfassend war die Weisheit von allen organischen Gebilden und die Anleitung, sie zu nützen. Thaisis durfte in das heilige Buch der Schöpfung schauen und lauschen, und die Ströme des ewig Lebendigen gaben ihr Nahrung für Körper und Geist. Sie ersetzten ihr Speise und Schlaf, und ihr Leben war wie verwachsen und eingeflochten in die urallmächtigen Weisheiten und Gesetze des Herrn.

Thaisis hatte, wie alle Frauen zu Thyatira, das lichtdurchlässige Gefäß des beweglichen, sonnenhellen Körpers, das lichte, lange Haar, das beinahe weiß war und in der Sonne oder im Schimmer der heiligen Flamme wie weißes Gold strahlte.

Sehr schlicht, aber weiß waren die priesterlichen Frauen gekleidet. Ein leuchtender Reif mit einem lichtschimmernden Kristall war es allein, der das Haupt der Oberpriesterin von den anderen Frauen äußerlich kennzeichnen sollte. Die anderen trugen Blumenkränze. Die Blumen wurden als eine besondere Gabe des Schöpfers sorgfältig gehegt.

Ausgewählt aber waren einige Arten, die hauptsächlich nur für den Tempeldienst der Frauen dienten, namentlich weiße Blumen und Blüten, die von den Gartenschwestern zu auffallender Erlesenheit und Kraft gebracht wurden. Die Gärten der Tempelblumen reihten sich den Gärten der aufbauenden Pflanzen im Ring um den Lilientempel an. An dessen vordersten Ausgangstoren, die von glashellem, feinen Stoffe waren und wie Gitterwerk kunstvoll gefügt, führten lichtgrüne, glasklare Treppen in den Garten, den ein breiter Pfad und ein Querpfad durchzog.

In der Mitte des Kreuzpunktes war ein weites Becken, aus dessen Tiefe ein Quell hoch empor sprühte. Die Felder aber waren nur von lilienartigen, herb und klar duftenden, weißschimmernden Blumen erfüllt, die hoch und rank im weichen Winde rauschten und sich wogend wie ein Silbermeer vor den Stufen des Tempels neigten.

Es mußte viel gearbeitet werden in den Gefilden des Tempels, um die Schönheit dieser Gärten immer auf gleicher Höhe zu halten. Die Natur verhalf dazu den fleißigen Dienerinnen; denn Sonne und warmer gelinder Regen, feuchte Nebel und trocknende Winde wechselten in äußerst harmonischem Gleichmaß. Nie war zu große Dürre oder zu viel Regen über Thyatira, alles Wesenhafte schien dem Menschen zu helfen.

Während die Gärten der Weiblichkeit nur von weißen Tauben und Falkenarten, auch von großen reiherähnlichen Vögeln reich geschmückt und belebt wurden, waren auf der entgegengesetzten Seite des Haupttempels ausgedehnte Ländereien, mit Seen und Wäldern, die wunderschönes, ganz seltenes Getier bargen.

Selbstverständlich war auch das Tierreich der Stoffart des ganzen Weltenteiles angepaßt, genau wie alles pflanzliche oder mineralische Leben. Eines mußte dem andern angepaßt sein, nach dem gesetzmäßigen Aufbau alles Organischen und Unorganischen.


Wenn der Geist so hinabblickte in all die Schönheit dieser Welt, dann glaubte er erinnernd das Singen aus den seligen Gärten der Lichtheimat zu vernehmen. Wenn er aber das Gebaren jener Frauen schaute, so freute er sich, wie diese empfänglichen Geister sich allem Einfluß der Reinheit geöffnet hatten.

Is-ma-el sollte erst das höchste Fest erleben, von dem er noch nichts vorausempfing. Er war, so nah dem Stoffe, als im Gesetz schwingender Geist zuförderst der Gegenwart geöffnet. Das Weben und Geschehen im Geiste ist auch so reich in jedem Augenblick, daß es völliges Auskosten desselben gründlich fordert.

Das Leben hält keinen Augenblick inne, es zeigt sich dem Geöffneten und damit Verbundenen in so mannigfacher Art, daß er stumm und überwältigt mitempfinden muß in diesem urgewaltigen Strom, ohne sich viel bewußt zu werden.

Die verschiedenen Arten der Stofflichkeit mit ihren unzähligen, farbenströmenden Ausatmungen erschienen ihm wohl dicht und schwer, doch waren sie für ihn keine Grenzen mehr.

Alles Grobstoffliche wie alles Feinstoffliche war schön und genährt mit Licht, war im pulsenden Atmen der Reinheit und des Gesunden und es war wie in den ewigen Gärten: es gab da kein Trübes.

Und dennoch war der Geist Is-ma-el mit einem Wissen beladen, das wie ein schwerer Stein zuweilen drückte. Es war das Wissen von Luzifer, dessen Wirken er geschaut, der frei war, im Geiste bis in den Stoff wirkend. Und es empfand der Geist Is-ma-el sogleich die Kraft aus dem Herrn, die ihn durchströmte, der ausgesandt war, auf Thyatira zu lernen.


In nächster Nähe der ausgedehnten Tempelstadt war eine Wohnstätte. Die Tempelgärten gaben die Verbindung dorthin und schmückten in ihrer üppigen Schönheit die ganze Umgegend. Es strömten die warmen Lüfte den Duft der großen Blüten über die Gärten hin, und die palmenähnlichen Bäume rauschten mit einem hellen, silbernen Rascheln und Klingeln wie feinstes Glas.

Der feine Stoff ihrer zarten Arten gab diese Geräusche, die nur den Menschen begreiflich sein können, die mit dem feinstofflichen Ohr schon ähnliches vernommen haben.

Die Tierarten, die sich da tummelten, frei und gar nicht wild umherliefen, waren das Spiegelbild für die Reinheit des hier lebenden Menschengeistes. Sie waren dem Menschen zu Dienst und Freude da, aber dennoch frei, sprangen froh und zutraulich umher und setzten sich nicht in Wehr oder Angriff; denn sie waren den Menschen gewohnt und liebten ihn als einen starken, überlegenen Freund.

Es gab keine Schädlinge zu Thyatira, auch nicht an den Pflanzen. Alles war rein und einfach in der Schönheit dieses Weltenteiles, erfüllt vom Geiste des Erkennens.

(Fortsetzung folgt.)

1)
Es sind damit Sonnen bezeichnet, die um eine große Sonne kreisen wie Planeten.
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