Abd-ru-shin

Oskar Ernst Bernhardt

Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


Seitenleiste



de:ruf:heft_10-12:ein_erlebnis_in_deutsch-tirol_im_mai_1928

Ein Erlebnis in Deutsch-Tirol im Mai 1928.

Ein Reichsdeutscher wohnte mit seiner Familie auf einem in Tirol gekauften Sommersitze. Die herrliche Lage, die biederen Charaktere der Nachbarn und Bevölkerung erweckten in ihm den Wunsch, diese Vorzüge auch Anderen teilhaftig werden zu lassen und an dieser Stelle ein Erholungsheim für Kinder mittelloser und in wirtschaftlicher Bedrängnis befindlichen Familien zu errichten, namentlich aber für Waisenkinder, die darin ein schönes Heim und Gesundung finden, sollten.

Zu nicht geringem Erstaunen erfuhr er, daß gegen diese Betätigung des Christuswortes der katholische Pfarrer des Ortes emsig arbeitete und alles in Bewegung zu setzen versuchte, daß von der Regierung der Ausführung dieses Gedankens Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden sollten, ja, daß sogar ein Verbot dagegen erlassen würde! Gerade der Herr, der das Gotteswort zu lehren hat.

Der Grund zu diesem Eifer gegen die Betätigung des Gotteswortes war, daß der Reichsdeutsche…. dem evangelischen Christentume angehörte! Daß dieser Pfarrer mit solchem Handeln seinen ihm anvertrauten Seelen ein klägliches Bild bietet und beweist, daß er wohl Lehrer sein will, aber selbst nicht daran denkt, nach diesen von ihm gelehrten Worten auch zu leben und zu handeln, daß er dabei auch direkt gegen das Staatsgesetz der Religionsfreiheit verstößt, sowie des Gotteswillens spottet, sich also gegen den Willen seines Gottes auflehnt, bekümmert ihn nicht, ganz abgesehen davon, daß er damit jeder wahren Menschlichkeit direkt in das Gesicht schlägt und die Mitglieder seiner Gemeinde schädigt. Was wird dieser Mann seiner Gemeinde dafür bieten, wenn die Not anbricht?

Es würde keine Entschuldigung sein, wenn er in dem Wahne ist, damit seiner Kirche zu dienen; denn die Kirche ist nicht das Gotteswort, der Wille Gottes, steht doch wohl noch über jeder Kirche als solche und muß von dieser und deren Dienern in erster Linie gelebt und erfüllt werden! Die Kirche und deren Diener haben dem Worte, also dem Willen Gottes, zu dienen, das bedingungslose Nächstenliebe fordert, wofür wohl deutlich genug das besondere Gleichnis vom „Barmherzigen Samariter“ spricht! Das Gotteswort hat aber nicht der Kirche zu dienen!

Der Gottessohn brachte den Willen seines Vaters in dem „Wort“, damit dieses von der Menschheit erfüllt wird, nicht aber, damit dieses Gottes Wort nur unter die Interessen einer später gegründeten Kirche gestellt werden soll! Das ist eine Anmaßung, die Gott nicht ungestraft lassen wird!

Der Reichsdeutsche unterließ daraufhin die Ausführung seines Planes an diesem Orte, da es ihm widerlich war, sich mit solchem Gebahren zu befassen, das wohl tatsächlich nicht mehr in die Zeit 1928 gehört! Und solche Fälle stehen nicht einzeln da in dem Lande, dessen Bevölkerung in seiner Biederkeit und Treue sich mit, an die Spitze der Menschheit stellen könnte! Was muß hier das Gesetz der Wechselwirkung bringen! Denn es ist frevles Spiel mit der Biederkeit der Menschen. —

(Die Namen stehen im Verlage Tutzing zur Verfügung)

de/ruf/heft_10-12/ein_erlebnis_in_deutsch-tirol_im_mai_1928.txt · Zuletzt geändert: 2020/09/17 02:38 von Marek Ištvánek