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Oskar Ernst Bernhardt

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de:gralsblatter:serie_i:heft_2:die_erschaffung_des_menschen

Die Erschaffung des Menschen.

„Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde und hauchte ihm seinen Odem ein!“

Das sind zwei Begebenheiten: Das Schaffen und das Beleben!

Beide Vorgänge waren wie alles streng den bestehenden göttlichen Gesetzen unterworfen. Nichts kann außer den Rahmen derselben treten. Kein göttlicher Willensakt wird sich diesen den göttlichen Willen selbst tragenden unverrückbaren Gesetzen gegenüberstellen. Auch jede Offenbarung und Verheißung erfolgt im Hinblick auf diese Gesetze, und muß sich in diesen erfüllen, nicht anders!

So auch die Menschwerdung, die ein Fortschritt der gewaltigen Schöpfung war, der Übergang des Grobstofflichen in ein ganz neues, gehobeneres Stadium.

Von der Menschwerdung zu sprechen bedingt das Wissen von der Feinstofflichen Welt; denn der Mensch in Fleisch und Blut ist als förderndes Bindeglied geschoben zwischen den feinstofflichen und den grobstofflichen Schöpfungsteil, während seine Wurzel in dem Reingeistigen bleibt.

Ich sprach schon über die ersten Menschen im Paradiese und deren Ausschließung. Diese Erklärung zogen weitere Fragen nach sich: 1. Wann war die Zeit des Paradieses? 2. Wie hängt das alles zusammen mit dem Urmenschen, von dem die Wissenschaft durch Ausgrabungen zu berichten weiß? 3. War die Steinzeit vor dem Paradiese oder nach diesem?

Solche und ähnliche Fragen quälen die Suchenden. Laßt Euch nun erklären, was in dem großen Buche Gottes, der gesamten Schöpfung, steht:

„Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde!“ Dieses Schaffen oder Erschaffen war eine lange Kette der Entwickelung, die sich streng innerhalb der von Gott selbst in die Schöpfung gewobenen Gesetze abspielte. Von dem Höchsten eingesetzt, arbeiten diese Gesetze eisern, unentwegt an der Erfüllung seines Willens, selbsttätig als ein Stück vom ihm der Vollendung entgegen.

So auch mit der Erschaffung des Menschen als Krone des ganzen Werkes, in dem sich alte Kräfte vereinigen sollten, die in der Schöpfung lagen. Deshalb wurde in der grobstofflichen Welt, der irdisch sichtbaren Materie, nach und nach in der Fortentwicklung das Gefäß geformt, in das ein Funke aus dem, Reingeistigen inkarniert werden konnte, der unsterblich war. Durch das andauernd strebende Formen entstand mit der Zeit das höchstentwickelte Tier, das denkend sich schon verschiedener Hilfsmittel zum Lebensunterhalte und zur Verteidigung bediente. Wir können auch heute niederere Tiersorten beobachten, die sich einzelner Hilfsmittel zur Erlangung und Aufbewahrung ihrer Lebensbedürfnisse bedienen, und die zur Verteidigung oft verblüffende Schlauheit zeigen.

Die vorhin erwähnten höchstentwickelten Tiere, die mit den stattgefundenen Erdumwälzungen hinweggenommen wurden, bezeichnet man heute mit dem Namen „Urmenschen“. Sie aber Vorfahren der Menschen zu nennen, ist ein großer Irrtum! Mit demselben Rechte könnte man die Kühe als „Teilmütter“ der Menschheit bezeichnen, da die größte Zahl der Kinder in den ersten Monaten ihres Lebens die Milch der Kühe direkt zum Aufbau ihres Körpers brauchen, durch ihre Hilfe also lebensfähig bleiben und wachsen. Viel mehr hat das edle und denkende Tier „Urmensch„ auch nicht mit dem wirklichen Menschen zu tun; denn der grobstoffliche Körper des Menschen ist weiter nichts als das unerlässliche Hilfsmittel, das er braucht, um in dem grobstofflich Irdischen nach jeder Richtung hin wirken zu können und sich verständlich zu machen.

Mit der Behauptung, daß der Mensch vom Affen abstamme, wird buchstäblich „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet!“ Es ist damit weit über das Ziel hinausgegriffen. Ein Teilvorgang zur alleinigen Volltatsache erhoben. Die Hauptsache fehlt dabei!

Es würde zutreffen, wenn der Körper des Menschen tatsächlich „Der Mensch“ wäre. So aber ist der grobstoffliche Körper nur seine Bekleidung, die er ablegt, sobald er in die Feinstofflichkeit zurückkehrt.

Wie erfolgte nun die erste Menschwerdung?

Nach dem Höhepunkte in der grobstofflichen Welt mit dem vollendetsten Tiere mußte eine Veränderung zur Weiterentwicklung kommen, wenn kein Stillstand eintreten sollte, der mit seinen Gefahren Rückgang werden konnte. Und diese Veränderung war vorgesehen und kam: Von dem Urlichte als Gottesfunken ausgegangen, durch die feinstoffliche Welt alles erneuernd und hebend gezogen, stand an deren Grenze in dem Augenblicke, als das grobstofflich - irdische Gefäß in seiner Entwicklung den Höhepunkt erreicht hatte, der feinstofflich - geistige Mensch ebenfalls fertig bereit, sich mit dem Grobstofflichen zu verbinden, um dieses zu fördern und zu heben.

(Über das Ausgehen vom Licht und das Werden bis zur Vergrobstofflichung in einer nächsten Aussprache.)

Während also das Gefäß in der Grobstofflichkeit herangereift, erschaffen war, hatte sich die Seele in der Feinstofflichkeit so weit entwickelt, daß sie genügend Kraft besaß, bei Eintritt in das grobstoffliche Gefäß seine Selbständigkeit zu bewahren, nicht aufgesogen zu werden.

Die Verbindung dieser beiden Teile bedeutete nun eine innigere Vereinigung der grobstofflichen Welt mit der feinstofflichen Welt bis hinauf in das Geistige.

Erst dieser Vorgang war die Geburt des Menschen!

Wie aber ging das vor sich? Die Zeugung selbst ist auch heute noch bei den Menschen ein rein tierischer Akt. Höhere oder niedere Empfindungen dabei haben mit dem Akte selbst nichts zu tun, sondern bringen besondere geistige Auslösungen, deren Wirkungen in der Anziehung unbedingter Gleichart von großer Bedeutung werden.

Rein tierischer Art ist auch die Entwicklung des Körpers bis zur Mitte der Schwangerschaft. Rein tierisch ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, sondern ich will es mit rein grobstofflich bezeichnen.

Erst in der Mitte der Schwangerschaft, bei einer bestimmten Reife des werdenden Körpers, wird der für die Geburt vorgesehene Geist inkarniert, der bis dahin sich viel in der Nähe der werdenden Mutter aufhält. Das Eintreten des Geistes löst die ersten Zuckungen des kleinen sich entwickelnden grobstofflichen Körpers aus, also die ersten Kindes-Bewegungen. Hier entsteht auch das eigenartig beseligte Gefühl des schwangeren Weibes, bei dem von diesem Augenblick an ganz andere Empfindungen eintreten: das Bewußtsein der Nähe des zweiten Geistes in ihr, das Fühlen desselben. Und je nach Art des neuen, zweiten Geistes in ihr werden auch ihre eigenen Empfindungen sein.

So ist der Vorgang bei jeder Menschwerdung. Nun aber zurück zur ersten Menschwerdung.

Es war also der große Abschnitt in der Entwicklung der Schöpfung gekommen: Auf der einen Seite in der grobstofflichen Welt stand das höchstentwickelte Tier, das den grobstofflichen Körper als Gefäß für den kommenden Menschen liefern sollte, auf der anderen Seite in der feinstofflichen Welt stand die entwickelte Menschenseele, die der Verbindung mit dem grobstofflichen Gefäß entgegen harrte, um damit allem Grobstofflichen einen weiteren Aufschwung zur Durchgeistigung zu geben.

Als nun ein Zeugungsakt zwischen dem edelsten Paare dieser hochentwickelten Tiere erfolgte, wurde zur Stunde der Inkarnierung nicht wie bisher eine Tierseele, sondern an dessen Stelle die dafür bereitstehende Menschenseele inkarniert, die den unsterblichen Gottesfunken in sich trug.

Dieser Vorgang gibt keinen Stützpunkt zu der Behauptung, daß der Mensch, der seinen wirklichen Ursprung im Geistigen hat, von den Tieren „Urmensch“ abstamme, der nur das grobstoffliche Übergangsgefäß dazu liefern konnte. Es würde auch heute den stärksten Materialisten nicht einfallen, sich direkt verwandt mit einem Tiere zu betrachten, und doch ist jetzt wie damals eine enge Körperverwandschaft, also eine grobstoffliche Gleichart vorhanden, während der wirkliche „lebende“ Mensch, also das eigentliche geistige „Ich“ des Menschen in gar keiner Gleichart zu dem Tiere steht.

Nach der Geburt des ersten Menschen stand nun dieser in Wirklichkeit allein, elternlos, da er die Tiere trotz deren hoher Entwicklung nicht als Eltern erkennen konnte und keine Gemeinschaft mit ihnen zu haben vermochte. Er brauchte es auch nicht; denn er war ganz Empfindungsmensch und lebte als solcher mit in der feinstofflichen Welt, die ihm Werte gab, die alles andere ergänzten. Die Abspaltung des Weibes von dem ersten Menschen war eine feinstofflich-geistige. Sie geschah nicht grobstofflich-irdisch, wie ja die Bezeichnungen der Bibel und alten religiösen Niederschriften sich vorwiegend nur auf geistige und feinstoffliche Begebenheiten beziehen. Der Mensch als solcher stand allein und verwendete nun im Wachsen vorwiegend die schrofferen, strengeren Empfindungen bei seinem Lebensunterhalte, wodurch die zarteren mehr und mehr zur Seite gedrängt und isoliert wurden, bis sie sich als der feinere Teil des geistigen Menschen ganz abspalteten. Dieser zweite Teil nun wurde, um nicht unwirksam im Grobstofflichen zu bleiben, wo er zur Hebung unbedingt in erster Linie notwendig war, in ein zweites Gefäß inkarniert, das der Feinheit entsprechend weiblichen Geschlechtes war, während die schrofferen Empfindungen dem grobstofflich stärkeren Manne blieben. Genau den Gesetzen der feinstofflichen Welt entsprechend, in der sich alles sofort formend Zartes und Schwaches in weiblichen Formen zeigt, strenges und starkes in männlichen. Die Frau sollte und könnte also in Wirklichkeit durch ihre wertvolleren geistigen Eigenschaften vollkommener sein als der Mann, wenn sie sich nur bemüht hätte, die ihr gegebenen Empfindungen mehr und mehr harmonisch abzuklären, wodurch sie eine Macht geworden wäre, die umwälzend und hochfördernd in der ganzen grobstofflichen Schöpfung wirken mußte. Leider aber hat gerade sie in erster Linie versagt, da sie sich zum Spielball der ihr zugeteilten starken Empfindungskräfte hingab, die sie dazu noch trübte und verunreinigte durch Gefühl und Fantasie. Welch tiefer Sinn liegt in der biblischen Erzählung von dem Naschen von dem Baume der Erkenntnis! Wie das Weib, durch die Schlange dazu angeregt, dem Manne den Apfel reichte. Besser konnte der wirkliche Vorgang bildlich gar nicht ausgedrückt werden. Das Apfelreichen, von dem Weibe ausgehend, war das Sichbewußtwerden des Weibes ihrer Reize dem Manne gegenüber, und das gewollte Benützen derselben. Das Nehmen und Essen des Mannes aber war dessen Reagieren darauf mit dem erwachenden Drange, die Aufmerksamkeit des Weibes nur auf sich zu lenken, indem er begann, sich durch Ansammeln von Schätzen und Aneignung verschiedener Werte begehrenswert zu machen. Damit begann das Großziehen des Verstandes, mit seinen Nebenerscheinungen der Gewinnsucht, Lüge, Unterdrückung, dem sich die Menschen zuletzt völlig unterwarfen und somit sich freiwillig zu Sklaven ihres Werkzeuges machten. Mit dem Verstande aber als Herrscher ketteten sie sich in unvermeidbarer Folge nach dessen eigener Beschaffenheit auch fest an Raum und Zeit, und verloren damit die Fähigkeit, etwas zu erfassen oder zu erleben, was über Raum und Zeit erhaben ist, wie alles Geistige, Feinstoffliche. Das war der Ausschluß aus dem Paradies, der geistig-feinstofflichen Welt, den sie sich selbst zuzogen; denn unabwendbar war es nun, daß sie alles Geistig-feinstoffliche, das weder Raum noch Zeit kennt, mit ihrem durch den Verstand fest an Raum und Zeit gebundenen und damit eng begrenzten Horizonte ihres Begriffsvermögens nicht mehr „verstehen“ konnten. So wurden für die Verstandesmenschen, die Erlebnisse und das Schauen der Empfindungsmenschen, sowie auch die unverstandenen Überlieferungen zu „Märchen„. Die an Zahl immer mehr zunehmenden Materialisten, also die Menschen, die nur noch die grobe, an Raum und Zeit gebundene Materie anzuerkennen fähig sind, lachten zuletzt spöttelnd über die Idealisten, denen durch ihr viel größeres und erweitertes Innenleben der Weg zu der feinstofflichen Welt noch nicht ganz verschlossen war, und schalten sie Träumer, wenn nicht Narren oder sogar Betrüger. Doch heute stehen wir endlich dicht vor der Stunde, wo der nächste große Abschnitt in der Schöpfung kommt, der unbedingter Aufschwung ist und das bringt, was schon der erste Abschnitt mit der Menschwerdung bringen sollte: Die Geburt des durchgeistigten Vollmenschen!

Des Menschen, der fördernd und veredelnd auf die ganze grobstoffliche Schöpfung wirkt, wie es der eigentliche Zweck der Menschen auf der Erde ist. Dann ist kein Raum mehr für den niederhaltenden, an Raum und Zeit geketteten Materialisten. Ein Fremder wird er sein in allen Landen, heimatlos. Unter den Strahlen einer anderen Sonne und anderer Sterne wird er verdorren und vergehen wie Spreu, die sich vom Weizen scheidet. Habt Acht, daß Ihr bei dieser Scheidung nicht zu leicht befunden werdet!

de/gralsblatter/serie_i/heft_2/die_erschaffung_des_menschen.txt · Zuletzt geändert: 2020/07/27 22:35 von Marek Ištvánek